18.07.2017

Ausrüster Puma

Da Bayern München den ursprünglich bis 2020 laufenden Vertrag mit Adidas vorzeitig bis 2030 verlängert hatte, wäre bei Borussia Dortmund ähnliches denkbar. Freddie Röckenhaus spekulierte in der Süddeutschen Zeitung über ein mögliches Interesse von Nike:

"Normalerweise befindet sich Nike, das früher auch Partner des BVB war und sich gerüchteweise demnächst erneut beim BVB einkaufen will..."

Süddeutsche Zeitung, 3.4.2017
So etwas ist eines großen Konzerns unwürdig

In einem 45 Minuten langen Interview bei der SpoBis 2015 wurde Watzke folgendes gefragt:

"Was passiert eigentlich, wenn Puma aus irgendwelchen Gründen nicht mehr Ausrüster ist, aber Anteilseigener bleiben will?"

Watzke: "Das ist eher das Problem von Puma als von mir... Wenn sie irgendwann aussteigen sollten, haben sie ein ganz normales Exit, dadurch daß wir an der Börse sind."
...
Watzke: "Wenn wir das Gefühl haben, daß einer unser Großaktionäre nicht bereit wäre, einen Sponsoringvertrag in der angemessenen Höhe zu entlohnen, dann würde ihnen das nichts nutzen." (gemeint ist die Tatsache, daß sie Anteilseigner sind)

Passagen sind gekürzt, den vollen Wortlaut gibt es ab Min. 18:18. Auch ansonsten ist das Interview sehr interessant, z.B. die Aussage ganz am Ende, falls BVB absteigt, würde man dennoch zu den 8 umsatzstärksten Clubs in Deutschland gehören.

Hier der Link zum Interview, man kann nicht direkt verlinken, in der Mitte ist das stark gekürzte Highlight Video und auf der rechten Seite befindet sich das 45 Minuten Interview aus dem ich zitiert habe:

http://www.spobis.de/de/mediathek/


Nach neuester Quelle kassiert Dortmund z.Z. von Puma gestaffelt zwischen 15 - 20 Mio jährlich
Anscheinend wurde ein Staffelvertrag vereinbart, so entwickelten sich die Zahlungen von Puma:

- Im November 2011 wurde mit Puma ein neuer Vertrag mit einer Laufzeit bis 2020 unterschrieben. Als Sockelbetrag wurden 6,25 Millionen genannt, gegenüber den 4 Millionen von Kappa im Meisterjahr 2010/11

- Im September 2014 wurden aber 8 Mio jährlich genannt, Schalke bekäme 4-5 Mio, Leverkusen rund 2 Mio vom Ausrüster:

- Am 30.4.2015 nannte die Süddeutsche "angeblich 10 Mio pro Jahr" durch Puma.

- Im Zuge der möglichen Vertragsunterzeichnung von Nike bei Wolfsburg nannte die BILD Zeitung 15 Mio Euro die Puma pro Saison zahlen würde, bei Erfolg sogar mehr.

- Der Express nannte gestaffelt zwischen 15 - 20 Millionen.

Auch die Aussagen von Watzke auf der Jahreshauptversammlung 2014 deuten auf einen Staffelvertrag hin. Er nannte hier steigende Mio Sponsoreneinnahmen im zweistelligen Millionenbereich ohne Teilnahme an der Champions League.

Süddeutsche Zeitung, 30.4.2015
Adidas-Deal mit FC Bayern Pokal vergeigt, Rekordsumme gewonnen

Ich denke die zuletzt sehr größeren Steigerungen wurde im  Rahmen der Kapitalerhöhung verhandelt.

Darüber hinaus gab es Spekulationen, Puma hätte sich maßgeblich bei der Vertragsverlängerung von Reus beteiligt, erstmalig am 31.10.2014 von Freddie Röckenhaus in der Süddeutschen Print, dann am 4.11.2014 in der BILD Zeitung und schließlich nochmals in der Süddeutschen am 6.11.2014, ich zitiere: "Dortmunds neue Gesellschafter-Sponsoren sollen bei diesem handfesten Bemühen um Reus eine spezielle Rolle spielen". Röckenhaus nannte zudem ein Abkaufen der Ausstiegsklausel in Höhe von 9 Mio bei einem jährlichen Gehalt von ebenso 9 Mio. Da Watzke in einem Interview mit Sky ein Abkauf der Ausstiegsklausel von Borussia Dortmund verneint hatte, ist es naheliegend, daß Puma die Ausstiegsklausel direkt abgekauft hat.


Sehr interessant ist die Entwicklung der Trikotverkäufe:

2011
150.000 verkaufte Trikots

2012
230.000 verkaufte Trikots

2013
300.000 verkaufte Trikots

2014
400.000 verkaufte Trikots

2015
500.000 verkaufte Trikots*

*laut Freddi Röckenhaus in der Süddeutschen Zeitung vom 27.8.2016:
In China Geld verdienen, im Ruhrpott daheim sein




Quellen zu den jährlichen Zahlungen von Puma:

6,25 Mio
Die Welt, 26.10.2011
Neuer Ausrüstervertrag bringt BVB 50 Millionen Euro

8 Mio
The Wallstreet Journal, 26.9.2014
Adidas und Nike kämpfen ums letzte Fußball-Hemd

15 Mio
BILD Zeitung, 12.10.2015
Nike steigt bei Wolfsburg ein

15 - 20 Mio



weitere Blogposts zu den Sponsoren:

Hauptsponsor Evonik

Jahreshauptversammlung der Aktionäre am 24.11.2014



16.06.2017

Orderplatz London

Zuletzt wurde die BVB Aktie jeden Tag auch in London gehandelt. Das ist für einen deutschen Nebenwert sehr außergewöhnlich. Um herauszufinden was die tieferen Gründe für die bessere Kursentwicklung zwischen Sommerpause und Jahreshauptversammlung sind, habe ich mehrere Gespräche mit der IR Abteilung von Borussia Dortmund sowie dem BVB Analysten Marcus Silbe von Oddo Seydler geführt, siehe auch hier:

Die institutionellen Anleger

Die BVB Aktie in der Sommerpause

Dabei wurde deutlich, daß die BVB Aktie insbesondere bei ausländischen institutionellen Anlegern sehr beliebt ist, speziell in London hätte man bei den Roadshows eine viel größere Resonanz erfahren, zu Odey Asset Management hätte man einen direkten Kontakt.

Hier die letzten Umsätze am Orderplatz London:

07.6.2017   67.529 Stück
08.6.2017    4.275 Stück
09.6.2017   17.877 Stück
12.6.2017    3.324 Stück
13.6.2017    9.460 Stück
14.6.2017    1.401 Stück
15.6.2017     585 Stück
16.6.2017  120.167 Stück

Odey Asset Management hatte laut investor.morningstar.com (Link s.o.) in der Rückrunde -246.268 Stück verkauft, steigen sie nun wieder ein? Ist aber natürlich spekulativ. Fakt ist, zu Beginn der letzten Sommerpause und im weiteren Verlauf bis zur HV wurden sehr viele Käufe der institutionellen Anleger gemeldet.


13.06.2017

Die Marktwerte der BVB Spieler

Sehr vielen Kommentare der Sportjournalisten, aber auch Finanzjournalisten und BVB Analysten beziehen sich bei den Marktwerten auf die Listen von transfermarkt.de
Die stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders liegen bei Borussia Dortmund durchgehend bei über 200 Mio, insofern ist interessant inwiefern man sie bei der Bewertung, bzw. beim Kursziel berücksichtigen muss.

Bankhaus Lampe hatte ein Kursziel der BVB Aktie von 7 Euro mit der substanziellen Unterbewertung begründet, Buchwert + Kaderwert (der nicht im Buchwert abgebildet ist) = Kursziel. Dabei beziehen sie sich ausdrücklich auf transfermarkt.de
Ursprünglich nannten sie einen Risikoabschlag in Höhe von 20% auf diese Kaderwerte, siehe mein Kommentar zur Bankhaus Lampe Analyse vom 22.8.2013: Analyst Christoph Schlienkamp von Bankhaus Lampe

Auch BVB Analyst GSC Research nennt ausdrücklich transfermarkt.de

Mittlerweile kann man aber davon ausgehen, daß die Marktwerte von transfermarkt.de nicht wirklich die Realität abbilden, das ist insbesondere bei Borussia Dortmund der Fall. Transfermarkt nimmt als feststehende Größe die gezahlte Ablöse und passt diese Werte ggf. an, dabei gehen sie aber sehr vorsichtig vor. Daß eine gezahlte Ablöse teilweise weit von der Realität entfernt ist, ist natürlich spekulativ, daher wird es von transfermarkt.de nicht berücksichtigt.

Sehr auffällig wird das beim Fall Dembele. Nach verschiedenen Medienberichten hat Borussia Dortmund eine Ablöse von lediglich 15 Mio gezahlt, obwohl Barcelona und Liverpool 35 Mio geboten hatten und auch zahlreiche andere Topclubs interessiert waren, darunter Bayern München. Französische Medien hatten darüber spekuliert, warum ausgerechnet Borussia Dortmund den Zuschlag bekam. Demnach war wohl die Tatsache, daß der Besitzer von Stades Rennes, der französische Milliardär François Pinault mit Puma verbunden ist, sehr wichtig. Denn dessen Sohn François-Henri Pinault ist Chef des französischen Großkonzern Kering, der seit 2013 86% der Anteile von Puma hält. Es wurde spekuliert, daß Puma ein Interesse daran haben könnte, daß eines der begehrtesten Top Talente in Europa im Puma Trikot aufläuft.

Wie auch immer. Eigentlich alle waren sich darüber einig, daß die gezahlte Ablösesumme ein richtiges Schnäppchen sein müsste, transfermarkt.de hat dies aber komplett ignoriert und den Wert bei 15 Mio angesetzt. Da Dembele sich sportlich durchsetzen konnte, hatten sie den Wert auf 28 Mio angehoben, das scheint grotesk zu wenig.


CIES Football Observatory nennt für Dembele einen Wert von 87,1 Mio und bei Pulisic 60,6 Mio (transfermarkt.de nennt hier lediglich 12 Mio). Natürlich sind solche Listen immer spekulativ, ich gehe aber davon aus, daß die Liste von CIES Football Observatory deutlich dichter an der Realität ist, als die von transfermarkt.de

12.6.2017
New exclusive CIES Football Observatory transfer value estimates 
http://www.football-observatory.com/

Die Kurszielfindung bei Bankhaus Lampe unter Berücksichtigung der stillen Reserven scheint also einen deutlichen Spielraum nach oben zu haben.



07.06.2017

Der Markenwert des BVB bei Brand Finance


Nach der neuesten Studie von Brand Finance liegt der Markenwert von Borussia Dortmund z.Z. bei

519 Millionen Dollar

http://brandirectory.com/league_tables/table/football-50-2017
The world's most valuable football brands

Damit ist der Markenwert ggü der letzten Studie von 2016 um weitere 40% gestiegen.

Hier die Entwicklung des Markenwertes in den letzten 7 Jahren:

2011 78 Mio
2012 227 Mio
2013 260 Mio
2014 327 Mio
2015 326 Mio
2016 371 Mio
2017 519 Mio


Horizont.net, 12.9.2016
Im alljährlichen Ranking der TU Braunschweig zu den stärksten Vereinsmarken der Fußball-Bundesliga ist Borussia Dortmund zum fünften Mal in Folge die Nummer 1

mafo.de, 29.8.2016
Stärkere Marke: BVB schlägt Bayern



02.06.2017

Die institutionellen Anleger (aktualisiert am 12.7.2017)

Wie im Blogpost Die BVB Aktie in der Sommerpause beschrieben, ist es ein immer wiederkehrendes Phänomen, daß die BVB Aktie in der Sommerpause, bzw. zwischen Sommerpause und Jahreshauptversammlung klar besser performt als in den übrigen Zeiträumen. Warum das überhaupt so ist, habe ich über etliche Gespräche mit der IR Abteilung und mit dem Analysten Marcus Silbe von Oddo Seydler versucht herauszufinden. Demnach wird versucht über Roadshows explizit zu Beginn der Sommerpause für die BVB Aktie zu werben, zudem hat der Analyst mir ggü bestätigt, daß er zu einigen institutionellen Anlegern einen direkten Kontakt hält. Die Analysen richten sich vornehmlich an die institutionellen Anleger, in seinen Analysen selbst hatte er auch öfter direkt auf den Effekt der Sommerpause hingewiesen.

Um nachvollziehen zu können was letztlich genau stattfindet, beobachte ich regelmäßig die Seite investors.morningstar.com . Hier wird über Käufe und Verkäufe der institutionellen Anleger berichtet, teilweise mit sehr großer Zeitverzögerung, so werden einige Käufe vom März erst jetzt berichtet.

Generell kann man sagen, daß insbesondere am Ende der Saison, während der Sommerpause und auch noch zu Beginn der neuen Saison bis in den Oktober hinein mehrheitlich gekauft wird, während die Verkäufe dann nach der Jahreshauptversammlung erfolgen. Dadurch wird der Trend der besseren Performance bis zur Jahreshauptversammlung, bzw. der klar schlechteren Performance nach der Jahreshauptversammlung, klar verstärkt.

Die meisten Käufe und Verkäufe werden mit großer Zeitverzögerung von teilweise über zwei Monaten gemeldet. Einige andere hingegen melden mit ein paar Tagen Verzögerung, BlackRock Fund Advisors zum Beispiel.

Hier die größten Käufe und Verkäufe ab April 2017:


Teachers Advisors Inc 96,365 Stück
Bank J. Safra Sarasin AG 84.968 Stück
AST Investment Services Inc 46.559 Stück
Segall Bryant & Hamill Intl Sm Cp I 34.345 Stück
Dimensional Fund Advisors LP 22.745 Stück
DFA International Small Cap Value I 19.543 Stück
BlackRock Fund Advisors 13.125 Stück
BlackRock Fund Advisors 12.915 Stück

größere Verkäufe seit März:
MAV Vermögensverwaltung GmbH 44.280 Stück
SEI Investments Management Corp 21.217 Stück

Die größten Käufe gab es erst nach neuen Analysen, nach der Oddo Seydler Studie direkt vor der Bilanzpressekonferenz wurde mehrmals sechsstellig gekauft, bzw. nach der neuen Analyse von Bankhaus Lampe, in Folge wurde nach der Jahreshauptversammlung ebenso sechsstellig verkauft.


Interessant ist auch ein Insiderkauf von Aufsichtsratmitglied Bernd Geske, er hat am 26.5. 100.000 BVB Aktie zu durchschnittlich 6,26 gekauft. Es gibt immer wieder Käufe von Bernd Geske, allerdings nie in so einer Größenordnung direkt beim Höchstkurs.



31.05.2017

Die Bewertung der BVB Aktie

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bewertet Borussia Dortmund mit 971 Mio Euro.
Damit steigt die von KPMG angegebene Unternehmensbewertung um 17%


"Football Clubs' Valuation: The European Elite 2017" 22 Seiten zum download, sehr lesenswert:
https://www.footballbenchmark.com/documents/files/public/KPMG_Football_Clubs_Valuation_Report_31_05_2017.pdf

Manchester United wird von KPMG mit 3 Milliarden bewertet, dies liegt sehr nah an der Marktkapitalisierung, der derzeitige Aktienkurs von 16,90 entspricht 2,772 Mrd. Die von KPMG genannte Bewertung von Borussia Dortmund entspräche einem Aktienkurs von 10,55
Die Diskrepanz zur Börsenkapitalisierung zeigt überdeutlich die Unterbewertung der BVB Aktie, Oddo Seydler nannte zuletzt eine faire Bewertung bei einem Aktienkurs von 9,91 Ich gehe davon aus, daß er diese faire Bewertung demnächst anheben wird.
Ich empfehle hierzu die Analystenstudie vom 11.10.2016, hier der Link zum Download der Studie:

http://aktie.bvb.de/index.php/content/download/2129/34418/2/studie/Borussia

Im Unterschied zur Forbes Liste reflektiert die KPMG Liste die laufende Saison, Forbes bezieht sich aber stets auf die Geschäftsberichte der abgeschlossenen Saison, wenn also demnächst die neue Forbes Liste kommt, bezieht sich das auf die Saison 2015/16 wo Borussia Dortmund noch Euro League spielte.

In der letzten Forbes Liste nimmt der BVB Rang 11 ein. Der Wert von Borussia Dortmund wird mit 836 Mio Dollar angegeben, das entspricht 750 Mio Euro. Grundlage dieser Berechnungen sind die Deloitte Listen, also Umsatz ohne Transfers und eine Nichtberücksichtigung der Schuldenstände.

So hat sich der Forbes Wert von Borussia Dortmund entwickelt:

2013 456 Mio Dollar
2014 599 Mio Dollar
2015 700 Mio Dollar
2016 836 Mio Dollar

http://www.forbes.com/soccer-valuations/list/

Der Wert von Bayern München wird in dieser Forbesliste mit 2,68 Milliarden Dollar angegeben.

Bei der Bilanzpressekonferenz von Borussia Dortmund am 19.8.2016 nannte CFO Thomas Treß eine faire Bewertung von 750 Mio. BVB Analyst Marcus Silbe nannte in seiner Analyse vom 18.8.2016 eine faire Bewertung bei 902 Mio. 

Ich habe mit dem BVB Analysten von Oddo Seydler über die immer größer werdende Diskrepanz zwischen Kursziel und fairer Bewertung gesprochen. Er meinte, der Markt würde den Focus immer noch viel zu sehr auf aktuelle sportliche Resultate legen, die aber gegenüber den eigentlichen Kurstriggern neue TV Auslandsvermarktung , neuer TV Vertrag sowie der CL Reform lediglich eine Lappalie darstellen würden.