30.11.2017

Mitglieder- und Aktionärsversammlung am 26. + 27.11.2017

Die wichtigsten Zahlen und Fakten der Mitgliederversammlung:

- Verein hat z.Z. 153.787 Mitglieder (beim ersten Börsengang im Jahr 2000 waren es noch 11.000 Mitglieder)
- Umsatz stieg um 500.000 auf 9,06 Mio €, der Überschuss betrug 1,946 Mio (Vorjahr 1,606 Mio), liquiden Mittel summieren sich auf über sieben Mio
- Verein wollte Stadion Rote Erde von der Stadt kaufen, klappte aber nicht wegen der Leichtathleten. Wahrscheinlich wird man langfristig ein neues Stadion für die Amateure kaufen oder bauen.

Bei der Aktionärsversammlung einen Tag später wies Watzke erneut auf die deutliche Unterbewertung hin, die Börsenkapitalisierung von gut 550 Mio würde nicht ausreichen, Borussia Dortmund wäre mindestens eine Milliarde wert. Er wies insbesondere auf die stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders hin, sowie die nun doch bevorstehende Vertragsverlängerung mit Sportfive (Lagardère), die ab 2020 für Effekte im achtstelligen Bereich sorgen soll. Sein Hinweis auf deutliche Sponsoren-Zuwächse auf annähernd 100 Mio bereits im laufenden Geschäftsjahr könnte auf eine bevorstehende Vertragsverlängerung mit Puma hindeuten.







Bei der anschließenden Fragerunde wurden Watzke und Treß gefragt, wie die faire Bewertung berechnet werden würde und ob sich daran nicht etwas ändern könne, wenn man z.B. die erneute Champions League Qualifikation verpassen würde?

Es wurde deutlich, daß Watzke und Treß im wesentlichen als Bewertungsmodell den Substanzwert nutzen, dabei aber auch den Wert der Marke berücksichtigen würden. Das Stadion wäre auf vorsichtig 200 Mio geschätzt worden und der Kader hätte einen Wert von 400 bis 500 Mio, zudem käme der  Wert der Marke noch hinzu. Treß wies zudem auf die aktuelle Studie von KPMG hin.

Zu den Personalkosten und wie diese sich bei Verpassen der Champions League entwickeln würden, wurde auf die Steuerungsmechanismen hingewiesen, soll heissen, es würden Spieler verkauft. Wegen der hohen Abschreibungen wäre es ohnehin unumgänglich, daß man den Kader verschlanken müsse.

Die Kapitalmarktkommunikation wurde hinterfragt, bedingt durch die Bilanzpressekonferenz im Sommer und der HV im November hätte man gerade zu Beginn der Saison eine sehr gute Informationspolitik, allerdings hat man danach einen sehr langen Zeitraum, wo diesbezüglich kaum etwas geschehen würde. Watzke antwortete, daß man es grundsätzlich nicht ändern wolle, da sonst bei den Fans und der Öffentlichkeit der Eindruck entstünde, es ginge nur ums Geld.

Bei der Nachfrage zu den Analysten brachte CFO Thomas Treß sein großes Unverständnis insbesondere zum designated Sponsor Oddo zum Ausdruck. Dieser hatte kurz vor der HV das Kursziel auf 6,50 gesenkt, Treß dazu: "Das hat zu nicht unwesentlichen persönlichen Explosionen meinerseits geführt."

Der e.V. beabsichtigt bis auf weiteres keine Käufe der BVB Aktie.



Personalkosten

Ein sehr wichtiger Aspekt für die Renditefähigkeit eines Fussballvereins ist die Personalaufwandsquote, auch Personalkostenquote genannt.

Wikipedia:
Personalaufwandsquote

So hat sich die Personalaufwandsquote in den letzten Jahren entwickelt, allerdings sind diese Quoten Ex-Transfers:

2009/10  45.6%
2010/11  44.4%
2011/12  42.3%
2012/13  41.9%
2013/14  42.1%
2014/15  44,7%
2015/16  49,9%
2016/17  54,2%

Schalke und der HSV haben durchgängig eine Personalkostenquote von 50%, bei einigen europäischen Topclubs liegt diese Quote sogar erheblich höher:

"In 2014/15 Dortmund’s wages were 13th highest of the top 15 clubs in the Money League, while their wages to turnover ratio was easily the lowest. Even after the 2015/16 rise to 49%, it would still be below all the others with the exception of Bayern."

The Swiss Ramble, 11.10.2016
Borussia Dortmund - The Sound Of The Crowd



Die Bewertung bei KPMG und Forbes

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bewertet Borussia Dortmund in der Studie vom Mai 2017 zwischen 917 Mio und 1,025 Mrd. Es werden fünf Kriterien hinzugezogen, Profitabilität, Popularität, sportliches Potenzial, Fernsehrechte und Stadion-Eigentumsrechte.

Originalquelle, 22 Seiten pdf, footballbenchmark.com

In der neuen Forbes Liste nimmt der BVB Rang 12 ein. Der Wert von Borussia Dortmund wird mit 808 Mio Dollar angegeben.

So hat sich der Forbes Wert von Borussia Dortmund entwickelt:

2013 456 Mio Dollar
2014 599 Mio Dollar
2015 700 Mio Dollar
2016 836 Mio Dollar
2017 808 Mio Dollar

Im Unterschied zu KPMG reflektiert die Forbes Liste aber lediglich den Stand der vergangenen Saison, als man also 2015/16 lediglich EL spielte. Grundlage dieser Berechnungen sind die Deloitte Listen, also Umsatz ohne Transfers und eine Nichtberücksichtigung der Schuldenstände.

Wert der Marke BVB

Nach der neuesten Studie von Brand Finance liegt der Markenwert von Borussia Dortmund z.Z. bei 519 Mio Dollar.

http://brandirectory.com/league_tables/table/football-50-2017
The world's most valuable football brands

Damit ist der Markenwert ggü der letzten Studie von 2016 um weitere 40% gestiegen.

Hier die Entwicklung des Markenwertes in den letzten 7 Jahren:

2011 78 Mio
2012 227 Mio
2013 260 Mio
2014 327 Mio
2015 326 Mio
2016 371 Mio
2017 519 Mio



02.06.2017

Die institutionellen Anleger (aktualisiert 17.8.2017)

Wie im Blogpost Die BVB Aktie in der Sommerpause beschrieben, ist es ein immer wiederkehrendes Phänomen, daß die BVB Aktie in der Sommerpause, bzw. zwischen Sommerpause und Jahreshauptversammlung klar besser performt als in den übrigen Zeiträumen. Warum das überhaupt so ist, habe ich über etliche Gespräche mit der IR Abteilung und mit dem Analysten Marcus Silbe von Oddo Seydler versucht herauszufinden. Demnach wird versucht über Roadshows explizit zu Beginn der Sommerpause für die BVB Aktie zu werben, zudem hat der Analyst mir ggü bestätigt, daß er zu einigen institutionellen Anlegern einen direkten Kontakt hält. Die Analysen richten sich vornehmlich an die institutionellen Anleger, in seinen Analysen selbst hatte er auch öfter direkt auf den Effekt der Sommerpause hingewiesen.

Um nachvollziehen zu können was letztlich genau stattfindet, beobachte ich regelmäßig die Seite investors.morningstar.com . Hier wird über Käufe und Verkäufe der institutionellen Anleger berichtet, teilweise mit sehr großer Zeitverzögerung, so werden einige Käufe vom März erst jetzt berichtet.

Generell kann man sagen, daß insbesondere am Ende der Saison, während der Sommerpause und auch noch zu Beginn der neuen Saison bis in den Oktober hinein mehrheitlich gekauft wird, während die Verkäufe dann nach der Jahreshauptversammlung erfolgen. Dadurch wird der Trend der besseren Performance bis zur Jahreshauptversammlung, bzw. der klar schlechteren Performance nach der Jahreshauptversammlung, klar verstärkt.

Die meisten Käufe und Verkäufe werden mit großer Zeitverzögerung von teilweise über zwei Monaten gemeldet. Einige andere hingegen melden mit ein paar Tagen Verzögerung, BlackRock Fund Advisors zum Beispiel.

Hier die größten Käufe und Verkäufe ab April 2017, aufgeführt sind nur die fünfstelligen Käufe:

Teachers Advisors Inc 96,365 Stück
Wasatch Advisors 90.000 Stück
Bank J. Safra Sarasin AG 84.968 Stück
AST Investment Services Inc 46.559 Stück
Segall Bryant & Hamill Intl Sm Cp I 34.345 Stück
Dimensional Fund Advisors LP 22.745 Stück
DFA International Small Cap Value I 19.543 Stück
BlackRock Fund Advisors 13.125 Stück


größere Verkäufe seit März:

MAV Vermögensverwaltung GmbH 44.280 Stück
SEI Investments Management Corp 21.217 Stück

Die größten Käufe gab es erst nach neuen Analysen, nach der Oddo Seydler Studie direkt vor der Bilanzpressekonferenz wurde mehrmals sechsstellig gekauft, bzw. nach der neuen Analyse von Bankhaus Lampe, in Folge wurde nach der Jahreshauptversammlung ebenso sechsstellig verkauft.

Interessant ist auch ein Insiderkauf von Aufsichtsratmitglied Bernd Geske, er hat am 26.5. 100.000 BVB Aktie zu durchschnittlich 6,26 gekauft. Es gibt immer wieder Käufe von Bernd Geske, allerdings nie in so einer Größenordnung direkt beim Höchstkurs.