24.11.2015

Jahreshauptversammlung der Aktionäre am 23.11.2015




Beim wirtschaftlichen Teil seiner Rede ab Min. 17:44 wies Watzke zunächst auf die substantielle Unterbewertung der BVB Aktie hin und zitierte dabei aus der Zeitschrift "Der Aktionär". Die Unterbewertung komme hauptsächlich durch die enormen stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders zustande, der nicht bilanziert ist, sowie 324 Mio Eigenkapital und über 50 Mio Festgeld.

Watzke wies zudem auf die Erfolgsstory der letzten 5 Jahre hin, man hatte insgesamt 101,6 Mio Nettogewinn. Da man den weiteren sportlichen Erfolg besser gewährleisten könne, indem man den Kader weitgehend zusammenhält, hat er den Markt auf ein schwächeres wirtschaftliches Jahr vorbereitet, man will also nach Möglichkeit keine Leistungsträger verkaufen.

Der Sportfive Vertrag würde 2020 auslaufen und nicht verlängert, was einen unfassbaren Schub auslösen würde, weil man plötzlich nicht mehr 20 Mio jährlich an Provisionen zahlen müsse.

Dazu allgemeine Aussagen zu den Potentialen bei den TV Einnahmen, dem Sponsoring und durch die Übernahme des Catering, welches mehrere Millionen brächte.

Ausführlich benannte Watzke den gestiegenen Wert der Marke BVB, auch im Geschäftsbericht wird ausführlich darauf verwiesen, ich habe den diesbezüglichen Blogpost aktualisiert: Die Marke BVB

Ich fand die Rede im Gegensatz zu den Reden der vergangenen Jahre eher schwach. Letztlich hat sich der Aktienkurs in der abgelaufenen Saison sehr schlecht entwickelt, dabei hätte ich mehr Gegenwehr seitens der Geschäftsführung erwartet.

Daher gab es in der anschließenden Generaldebatte einige interessante Punkte zu besprechen.

1. Warum äußerte sich Watzke nicht zum gefallenen Aktienkurs und zitiert lediglich den "Aktionär". Welche Erklärungsansätze hat er denn für den deutlich gesunkenen Aktienkurs? Daß es mit der BVB Aktie bei gravierenden sportlichem Misserfolg abwärts gegangen wäre, könne ich nachvollziehen, auch wenn es letztlich teilweise irrational ist, nicht aber, daß es mit dem Aktienkurs deutlich runter ging, nachdem sich die sportliche Lage sehr deutlich gebessert hatte. Einzige Erklärung waren die Leerverkäufe von BlackRock, die mitten in der sportlichen Erholung gegen die winzig kleine BVB Aktie gewettet hätten. Wieso hatte sich das Unternehmen dagegen nicht gewehrt, indem man in diesem sehr besonderen Moment, mit den Kapitalmärkten kommunizierte?

Seine Antwort dazu:

Eher allgemein nannte er nochmals die krasse Unterbewertung, nur allein der Kader, das Stadion und die Infrastruktur wäre sehr konservativ berechnet mindestens 650 Mio wert, aber die Marke, die derzeit strahlender wäre denn je, wäre dabei noch mit keinem einzigen Euro berechnet. Der Aktienkurs würde mit einer Börsenkapitalisierung von 370 Mio nicht die Realität widerspiegeln.

Zum enttäuschenden Kursverlauf nannte Watzke vier wesentliche Gründe,
- die Gesellschaftsform, die eine Übernahme verhindert
- die Investoren, die nach sozialen und ethischen Standards ausgewählt sind und durch ihre Ausrichtung zu den Sponsoren gehören, also eben keine Hedgefonds oder ähnliches, was der Markt aber als defensiv interpretieren würde
- die Tatsache, daß es keine Fussballaktie gäbe, die erfolgreich wäre, was viele abschrecken würde
- daß Aktionäre den Erfolg bislang ausschließlich über den sportlichen Erfolg definieren würden

Zunächst hatte Watzke gegenüber dem Vorwurf der falschen Kommunikationsstrategie eine eher abwehrende Haltung ("man kann immer darüber streiten, ob man das eine oder andere besser machen kann, da bin ich bei Ihnen"), im weiteren Verlauf seiner Rede wurde er aber deutlicher:

"Zu dem was Herr XX aus Berlin noch gesagt hat: ich habe da aufmerksam zugehört, da war durchaus einiges Interessante dabei. Ich habe etwas dazu gesagt, wie ich das mit den Kursverläufen und der Unterbewertung sehe. Was man herausnehmen kann, ist sicherlich, wenn es solche Angriffe von Hedgefonds gibt, daß man die Kommunikationsstruktur in Richtung unserer vorhandenen Aktionären intensivieren muss, das nehme ich gerne mit, das halte ich für relativ schlüssig."

2. Wieso wies Watzke auf möglicherweise sinkende Ergebnisse hin, eventuell sogar roten Zahlen, ohne klar zu kommunizieren, unter welchen Bedingungen rote Zahlen zustande kommen würden?

Sehr konkret beantwortete Watzke das Upside Potential bei besseren sportlichen Ergebnissen als einkalkuliert. Im DFB Pokal hätte man bereits vorzeitig alle Ziele erreicht, weil man bedingt durch das Heimspiel gegen Paderborn höhere Einnahmen hatte, in der Euro League wäre das Achtelfinale Pflicht. Alles darüber hinaus bietet beim Ergebnis Upside Potential.

Daraus könnte man schon schließen, daß Watzke alles andere als eine Gewinnwarnung ausgegeben hat. Schließlich wies er auf den Steuerungsmechanismus hin, wenn man alles in der Saison verbocken würde [also das Verpassen der Champions League Qualifikation], dann  hätte man die Möglichkeit von Transfereinnahmen. Diese will er natürlich nicht ausdrücklich in der Öffentlichkeit benennen, weil es nicht zur strategischen Ausrichtung gehöre.

3. Eine Frage zur Sinnhaftigkeit der Schuldenfreiheit.

Rein betriebswirtschaftlich mache die Schuldenfreiheit keinen Sinn, es gehöre aber zur Kommunikationsstrategie und Markenbildung und würde dazu beitragen, die Vorbehalte gegen die BVB Aktie abzubauen, die durch die damaligen hohen Schulden und der Fastinsolvenz entstanden wären. Etwas ausführlicher habe ich diesen Punkt hier zusammengefasst: Borussia Dortmund ist schuldenfrei

4. ob weitere Kapitalerhöhungen geplant wären?

Weitere Kapitalmaßnahmen wären überhaupt nicht geplant, man brauche überhaupt kein Geld, es würde überhaupt keinen Sinn machen. Man könne auch ohne weiteres Geld wachsen und würde stärker wachsen als viele glauben.

5. unterschiedliche Sockelbeträge bei den Spielern

Diese würden mittlerweile nicht für alle Spieler gelten, die Vertragsverlängerung von Reus wäre nicht billig gewesen.


Es gibt auch einige Punkte, die nicht explizit beantwortet wurden, so zum Beispiel die Frage, was das Unternehmen vermutet, warum BlackRock überhaupt geshortet hätte, ob sie auf eigene Veranlassung gehandelt hätten oder beauftragt wurden.
Kritisiert wurde auch die mangelhafte Darstellung des möglicherweise geringeren Gewinns, denn daraus könne man schließen, daß wichtige Spielerverträge verlängert werden können, was angesichts der Nicht Teilnahme an der Champions League keineswegs selbstverständlich wäre. Immerhin war es ein wichtiges Argument der Pessimisten, daß der Kader bei Misserfolg nicht zusammengehalten werden könne.
Daß im Fall Reus durch den Wegfall der Ausstiegsklausel 25 Millionen an stillen Reserven hinzugekommen wären, ist natürlich auch für die BVB Aktie von Vorteil, wenn man den Blick auf die Substanzanalyse richtet. Insofern war die Rede von Watzke in Teilen viel zu defensiv.

Man hat ganz klar gespürt, daß Watzke in der Generaldebatte die Argumente angenommen hat, auch wenn er nicht auf jeden Punkt geantwortet hat.

In den abschließenden Gesprächen mit einigen Aktionären sind wir übereingekommen, das man sich nächstes Mal im Vorfeld zusammensetzen will, um einige Punkte in der Generaldebatte noch besser zu strukturieren, bzw. daß man in so krassen Fällen wie z.B. dem Engagement von BlackRock schon vorher mit dem Unternehmen in Kontakt treten will.


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