24.08.2015

Bernecker Aktienbräu Nr. 10

In der neuen Ausgabe vom Bernecker Aktienbräu machen sich vier Experten Gedanken über die BVB Aktie:

Markus Weingran (Redaktionsleiter Bernecker TV)
Stefan Schmidbauer (Bernecker Einzelanalyse)
Oliver Kantimm (Der Aktionärsbrief)
Bernhard M. Klinzing (Frankfurter Börsenbrief)

Hier kann man sich die BVB Analyse ansehen, Video startet ab der 24. Minute:

 

Dazu habe ich ein paar Kommentare.

Oliver Kantimm meinte, mit Fussballaktien wäre langfristig kein Geld zu verdienen. Hm, wie langfristig denn? In den letzten 5 Jahren hat die BVB Aktie 204%, in den letzten 3 Jahren 28% besser performt als der DAX, dazu die Dividenden. Durchaus möglich, daß in den nächsten 5 Jahren die Unterbewertung weiter abgebaut wird.

https://www.comdirect.de/inf/aktien/detail/kennzahlen.html?ID_NOTATION=144434

Er nennt eine Studie über 66 europäische Fussballclubs, die festgestellt hätte, daß einzig die Champions League und Investoren finanziellen Erfolg ermöglichen würden. Soll heißen? Bei Borussia Dortmund sind Investoren eingestiegen, die ca. 140 Mio in die Kassen brachten, man spielte 4 Jahre hintereinander Champions League, diesmal "nur" Euro League, der Ausfall wird aber durch die Euro League Einnahmen von 30 Mio bei Achtelfinale zusammen mit den 15 Mio Mehreinnahmen durch die  TV In- und Auslandsvermarktung weitgehend kompensiert, spielt man also im darauffolgenden Jahr wieder Champions League, wäre weiteres Wachstum und finanzieller Erfolg gewährleistet. Bedingungen wären also erfüllt...

Der Stoxx Europe Football Index würde jahrelang schlecht performen, dies wäre der Beweis, daß mit Fussballaktien kein Geld zu verdienen ist. Die BVB Aktie performte in den letzten 5 Jahren 300% und in den letzten 3 Jahren 60% besser als dieser Index. Auch in den anderen relevanten Zeitfenstern, außer natürlich dem 12 Monatsfenster, aber dies sehe ich eher einen Hinweis darauf, daß hier eine gute Kaufgelegenheit entstanden sein könnte. Zwischen Juni 2012 und Juli 2014 konnte die BVB Aktie immerhin über 150% zulegen, die sportliche Misere führte letztlich auch zu Gewinnmitnahmen und ist nicht zwingend ein Beweis für weitgehende wirtschaftliche Verfehlungen.

Stefan Schmidbauer hat die BVB Aktie mehrmals besprochen, sah Licht und Schatten und hat gutes Geld verdient, weil er auf der Shortseite unterwegs gewesen war. Ich denke mal auf der Call Seite wäre in den letzten 5 Jahren deutlich mehr zu holen gewesen.
Seine Grundannahme "beim Wirtschaftsunternehmen Borussia Dortmund tut sich relativ wenig, ist uninteressant" klingt schon sehr aberwitzig. 180 Mio Schulden wurden komplett abgebaut, dafür hat man nun über 50 Mio Cash, der Umsatz stieg von 79 Mio bis auf heute 276 Mio, das Eigenkapital des Konzerns von 25 Mio auf heute 286 Mio. Da tat sich also eine ganze Menge...

Bernhard M. Klinzing teilt zwar die grundsätzlich skeptische Einschätzung, nennt aber immerhin die CL Ausfallversicherung und stellt beim Blick auf den 5 Jahreschart fest, daß die BVB Aktie bei CL Teilnahme grundsätzlich gestiegen ist. Dann verliert er aber den Überblick. Er stellt das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund grundsätzlich in Frage und nennt den FC Porto als gutes Gegenbeispiel. Dieser würde durch Transferverkäufe sehr gutes Geld verdienen, wenn es eine Porto Aktie gäbe, würde er diese kaufen.
O je. Es gibt mittlerweile eine Porto Aktie, diese performt krass schlechter als die BVB Aktie:













Das Geschäftsmodell von Porto wird in Fankreisen zwar als gut dargestellt, allerdings bleibt davon nicht viel übrig, wenn man sich damit näher befasst. Bei den meisten Spielern teilt sich Porto die Transferrechte mit privaten Investmentfonds, so daß oftmals nur ein kleiner Teil der Ablösesumme beim Verein bleibt:

Die Welt, 15.4.2015
Bayern gegen den Export-Weltmeister des Fußballs

Bei genauerem Blick auf die Bilanzen des FC Porto wird die Sache nicht besser:

"Exkludiert man jedoch das Ergebnis aus dem Spielerhandel so ergäbe sich für die letzten neun Geschäftsjahre ein kumulierter Verlust von gewaltigen EUR -339 Mio."

Offensivgeist.de Marco Mesirca / 2015
Wirtschaftsanalyse des FC Porto

Die Annahme von Bernhard M. Klinzing das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund wäre nicht förderlich für einen steigenden Aktienkurs, kann ich nicht teilen. Denn Spieler nicht zu verkaufen, um den sportlichen Erfolg zu halten und z.B. dauerhaft in der Champions League zu spielen, wird letztlich zu einem weiteren sehr starken Wachstum führen. Bayern München hat jahrzehntelang nichts anderes vorgemacht, deren Gewinne und Gewinnausschüttungen an die Anteilseigner waren jahrelang nicht sonderlich hoch:

Gewinne und Umsätze von Bayern München, Zahlen wurden von Wikipedia übernommen: 

2007/2008 Umsatz 286,8 Mio € Gewinn 2,1 Mio €
2008/2009 Umsatz 268,7 Mio € Gewinn 2,5 Mio €
2009/2010 Umsatz 312,0 Mio € Gewinn 2,9 Mio €
2010/2011 Umsatz 290,9 Mio € Gewinn 1,3 Mio €

Der Wert von Bayern München lag damals bei ca. einer Milliarde € und hat sich laut letzter Forbes Liste mittlerweile auf 2,347 Milliarden verdoppelt. Gäbe es eine börsennotierte Aktie von Bayern München, wäre diese ziemlich sicher gestiegen.

In diesem Interview erklärt Hans-Joachim Watzke schlüssig den Strategiewechsel:

n-tv, 21.8.2015
Watzke zur BVB-Bilanz"Wollen das, was wir erwirtschaften, in Fußball stecken"