30.11.2015

Ist sportlicher Erfolg eine Bedingung für die BVB Aktie?

Es ist ein oft gehörtes Totschlagargument gegen die BVB Aktie:

Die finanzielle Gesundung wäre nur durch den sportlichen Erfolg möglich geworden. Wegen diesen Unwägbarkeiten wäre die BVB Aktie ein spekulatives Investment, eben weil alles davon abhinge, ob der Ball an den Pfosten geht oder ins Tor. Derlei Wetten würde nur nur ein Fussballfan abschliessen, aber kein seriöser Investor.

Die letzte Saison war rein sportlich teilweise der reinste Horror, das Abschneiden in der Bundesliga war weit unter den Erwartungen aller Experten. Solche schlechte Nachrichten haben bei jeder anderen börsennotierten Firma unmittelbar eine Gewinn- oder Umsatzwarnung zur Folge. Das Gegenteil ist aber bei der BVB Aktie der Fall! Borussia Dortmund hatte die Konsens-Erwartungen der Analysten, die diese zu Beginn der Saison erstellt hatten, klar geschlagen. Prognostiziert wurden 259 Mio Umsatz, in einer schlechten Saison wurden daraus 276 Mio Umsatz plus 12 Mio aus der CL Ausfallversicherung, die in diesem Umsatz nicht auftauchen. Und obwohl man in dieser Saison lediglich Euro League spielt, werden auch die Erwartungen für die laufende Saison klar geschlagen.

Der sportliche Misserfolg hatte also keine wirklich negativen Auswirkungen, im Sinne von es müsse eine Umsatzwarnung abgegeben werden. Davon war Borussia Dortmund zu jedem Zeitpunkt weit entfernt!

Zudem gelang die finanzielle Gesundung bereits zu Beginn der Amtszeit von Watzke, obwohl es da sportlich zunächst schlechter lief:

Stuttgarter Zeitung, 29.11.2015
Der schwarz-gelbe Feuerwehrmann

"Watzkes Geschäftsführung zeitigte aber schon Erfolg, als die Mannschaft unter Bert van Marweijk und später Jürgen Röber sportlich immer weiter abrutschte."

Der später eingetretene Erfolg wäre ohne diese finanzielle Gesundung kaum möglich gewesen. Jürgen Klopp galt damals als ein sehr begehrter Trainer der kaum unterschrieben hätte, wenn sich die finanzielle Situation nicht klar gebessert hätte.

"als Klopp antrat, war der Club schon wieder ziemlich gesund. Watzke hatte an vielen Schrauben gedreht und vieles richtig gemacht."

Bisher hatte ich in den Medien noch keinen Artikel gefunden, der genau dies benennt:
Zuerst kam die finanzielle Gesundung, dann der Erfolg und nicht umgekehrt! Auch Tuchel hätte kaum unterschrieben, wenn man aufgrund des sportlich krassen Misserfolgs eine Gewinn- oder Umsatzwarnung abgeben hätte müssen. Stattdessen wurden die Konsenserwartungen der Analysten geschlagen, kein Topstar musste den Verein verlassen und Tuchel fand hervorragende Bedingungen vor, weshalb einer der begehrtesten deutschen Trainer auf dem Markt bei Dortmund unterschrieben hatte.


24.11.2015

Jahreshauptversammlung der Aktionäre am 23.11.2015




Beim wirtschaftlichen Teil seiner Rede ab Min. 17:44 wies Watzke zunächst auf die substantielle Unterbewertung der BVB Aktie hin und zitierte dabei aus der Zeitschrift "Der Aktionär". Die Unterbewertung komme hauptsächlich durch die enormen stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders zustande, der nicht bilanziert ist, sowie 324 Mio Eigenkapital und über 50 Mio Festgeld.

Watzke wies zudem auf die Erfolgsstory der letzten 5 Jahre hin, man hatte insgesamt 101,6 Mio Nettogewinn. Da man den weiteren sportlichen Erfolg besser gewährleisten könne, indem man den Kader weitgehend zusammenhält, hat er den Markt auf ein schwächeres wirtschaftliches Jahr vorbereitet, man will also nach Möglichkeit keine Leistungsträger verkaufen.

Der Sportfive Vertrag würde 2020 auslaufen und nicht verlängert, was einen unfassbaren Schub auslösen würde, weil man plötzlich nicht mehr 20 Mio jährlich an Provisionen zahlen müsse.

Dazu allgemeine Aussagen zu den Potentialen bei den TV Einnahmen, dem Sponsoring und durch die Übernahme des Catering, welches mehrere Millionen brächte.

Ausführlich benannte Watzke den gestiegenen Wert der Marke BVB, auch im Geschäftsbericht wird ausführlich darauf verwiesen, ich habe den diesbezüglichen Blogpost aktualisiert: Die Marke BVB

Ich fand die Rede im Gegensatz zu den Reden der vergangenen Jahre eher schwach. Letztlich hat sich der Aktienkurs in der abgelaufenen Saison sehr schlecht entwickelt, dabei hätte ich mehr Gegenwehr seitens der Geschäftsführung erwartet.

Daher gab es in der anschließenden Generaldebatte einige interessante Punkte zu besprechen.

1. Warum äußerte sich Watzke nicht zum gefallenen Aktienkurs und zitiert lediglich den "Aktionär". Welche Erklärungsansätze hat er denn für den deutlich gesunkenen Aktienkurs? Daß es mit der BVB Aktie bei gravierenden sportlichem Misserfolg abwärts gegangen wäre, könne ich nachvollziehen, auch wenn es letztlich teilweise irrational ist, nicht aber, daß es mit dem Aktienkurs deutlich runter ging, nachdem sich die sportliche Lage sehr deutlich gebessert hatte. Einzige Erklärung waren die Leerverkäufe von BlackRock, die mitten in der sportlichen Erholung gegen die winzig kleine BVB Aktie gewettet hätten. Wieso hatte sich das Unternehmen dagegen nicht gewehrt, indem man in diesem sehr besonderen Moment, mit den Kapitalmärkten kommunizierte?

Seine Antwort dazu:

Eher allgemein nannte er nochmals die krasse Unterbewertung, nur allein der Kader, das Stadion und die Infrastruktur wäre sehr konservativ berechnet mindestens 650 Mio wert, aber die Marke, die derzeit strahlender wäre denn je, wäre dabei noch mit keinem einzigen Euro berechnet. Der Aktienkurs würde mit einer Börsenkapitalisierung von 370 Mio nicht die Realität widerspiegeln.

Zum enttäuschenden Kursverlauf nannte Watzke vier wesentliche Gründe,
- die Gesellschaftsform, die eine Übernahme verhindert
- die Investoren, die nach sozialen und ethischen Standards ausgewählt sind und durch ihre Ausrichtung zu den Sponsoren gehören, also eben keine Hedgefonds oder ähnliches, was der Markt aber als defensiv interpretieren würde
- die Tatsache, daß es keine Fussballaktie gäbe, die erfolgreich wäre, was viele abschrecken würde
- daß Aktionäre den Erfolg bislang ausschließlich über den sportlichen Erfolg definieren würden

Zunächst hatte Watzke gegenüber dem Vorwurf der falschen Kommunikationsstrategie eine eher abwehrende Haltung ("man kann immer darüber streiten, ob man das eine oder andere besser machen kann, da bin ich bei Ihnen"), im weiteren Verlauf seiner Rede wurde er aber deutlicher:

"Zu dem was Herr XX aus Berlin noch gesagt hat: ich habe da aufmerksam zugehört, da war durchaus einiges Interessante dabei. Ich habe etwas dazu gesagt, wie ich das mit den Kursverläufen und der Unterbewertung sehe. Was man herausnehmen kann, ist sicherlich, wenn es solche Angriffe von Hedgefonds gibt, daß man die Kommunikationsstruktur in Richtung unserer vorhandenen Aktionären intensivieren muss, das nehme ich gerne mit, das halte ich für relativ schlüssig."

2. Wieso wies Watzke auf möglicherweise sinkende Ergebnisse hin, eventuell sogar roten Zahlen, ohne klar zu kommunizieren, unter welchen Bedingungen rote Zahlen zustande kommen würden?

Sehr konkret beantwortete Watzke das Upside Potential bei besseren sportlichen Ergebnissen als einkalkuliert. Im DFB Pokal hätte man bereits vorzeitig alle Ziele erreicht, weil man bedingt durch das Heimspiel gegen Paderborn höhere Einnahmen hatte, in der Euro League wäre das Achtelfinale Pflicht. Alles darüber hinaus bietet beim Ergebnis Upside Potential.

Daraus könnte man schon schließen, daß Watzke alles andere als eine Gewinnwarnung ausgegeben hat. Schließlich wies er auf den Steuerungsmechanismus hin, wenn man alles in der Saison verbocken würde [also das Verpassen der Champions League Qualifikation], dann  hätte man die Möglichkeit von Transfereinnahmen. Diese will er natürlich nicht ausdrücklich in der Öffentlichkeit benennen, weil es nicht zur strategischen Ausrichtung gehöre.

3. Eine Frage zur Sinnhaftigkeit der Schuldenfreiheit.

Rein betriebswirtschaftlich mache die Schuldenfreiheit keinen Sinn, es gehöre aber zur Kommunikationsstrategie und Markenbildung und würde dazu beitragen, die Vorbehalte gegen die BVB Aktie abzubauen, die durch die damaligen hohen Schulden und der Fastinsolvenz entstanden wären. Etwas ausführlicher habe ich diesen Punkt hier zusammengefasst: Borussia Dortmund ist schuldenfrei

4. ob weitere Kapitalerhöhungen geplant wären?

Weitere Kapitalmaßnahmen wären überhaupt nicht geplant, man brauche überhaupt kein Geld, es würde überhaupt keinen Sinn machen. Man könne auch ohne weiteres Geld wachsen und würde stärker wachsen als viele glauben.

5. unterschiedliche Sockelbeträge bei den Spielern

Diese würden mittlerweile nicht für alle Spieler gelten, die Vertragsverlängerung von Reus wäre nicht billig gewesen.


Es gibt auch einige Punkte, die nicht explizit beantwortet wurden, so zum Beispiel die Frage, was das Unternehmen vermutet, warum BlackRock überhaupt geshortet hätte, ob sie auf eigene Veranlassung gehandelt hätten oder beauftragt wurden.
Kritisiert wurde auch die mangelhafte Darstellung des möglicherweise geringeren Gewinns, denn daraus könne man schließen, daß wichtige Spielerverträge verlängert werden können, was angesichts der Nicht Teilnahme an der Champions League keineswegs selbstverständlich wäre. Immerhin war es ein wichtiges Argument der Pessimisten, daß der Kader bei Misserfolg nicht zusammengehalten werden könne.
Daß im Fall Reus durch den Wegfall der Ausstiegsklausel 25 Millionen an stillen Reserven hinzugekommen wären, ist natürlich auch für die BVB Aktie von Vorteil, wenn man den Blick auf die Substanzanalyse richtet. Insofern war die Rede von Watzke in Teilen viel zu defensiv.

Man hat ganz klar gespürt, daß Watzke in der Generaldebatte die Argumente angenommen hat, auch wenn er nicht auf jeden Punkt geantwortet hat.

In den abschließenden Gesprächen mit einigen Aktionären sind wir übereingekommen, das man sich nächstes Mal im Vorfeld zusammensetzen will, um einige Punkte in der Generaldebatte noch besser zu strukturieren, bzw. daß man in so krassen Fällen wie z.B. dem Engagement von BlackRock schon vorher mit dem Unternehmen in Kontakt treten will.


13.11.2015

Quartalsfinanzbericht 1. Quartal 2015/2016

Der Quartalsbericht wurde am 13.11.2015  hier veröffentlicht:
Quartalsfinanzbericht 1. Quartal 2015/2016

"Im Prognosebericht zum 30. Juni 2015 wurde für das Jahresergebnis und das EBIT für das gesamte Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erwartet, eine Einschätzung, die die Geschäftsführung auch weiterhin teilt."

"Borussia Dortmund hat bewiesen, in der Lage zu sein, auch sportlich schwächere Jahre wirtschaftlich positiv zu gestalten."

Da ich davon ausgehe, daß Borussia Dortmund die eigenen Prognosen erreichen wird, stünde damit fest, daß eine sportlich sehr enttäuschende Saison 2014/15 sowohl im abgelaufenen Geschäftsjahr als auch im laufenden Jahr schwarze Zahlen bringt.

Nur mal zur Einordnung der eigenen Prognosen von Borussia Dortmund, folgende Prognose stand im Geschäftsbericht 2013/14:

"Um die Vorjahresumsätze wesentlich zu übertreffen, bedarf es jedoch herausragender sportlicher Erfolge, um die Erlössteigerungen in allen Bereichen deutlich voranzutreiben."

Die vergangene Saison mit Platz 7 brachte also herausragende Erfolge (!!!), der Umsatz konnte von 260 auf 276 Mio gesteigert werden.

Die Gewinnerwartung für das Gesamtjahr ist insofern bemerkenswert, weil im ersten Quartal zunächst ein negatives Ergebnis erreicht wurde, da auf den Spieler Immobile eine Sonderabschreibung in Höhe von 7,5 Mio vorgenommen wurde, so daß das EBIT - 5,22 Mio betrug (EBITDA + 13,89)

Wenn man annimmt, daß Immobile für insgesamt 20 Mio gekauft wurde, dann stand er zuletzt mit 16 Mio in der Bilanz. Bei der Sonderabschreibung von 7,5 Mio läge sein Kaufpreis durch Sevilla also bei 8,5 Mio. Zusätzlich zu diesem Kaufpreis hat Sevilla noch eine Leihgebühr von 3 Mio entrichtet, so daß die gesamten geleisteten Zahlungen bei ca. 11 - 11,5 Mio liegen würden.

Da im ersten Quartal eine Transferabsichtserklärung abgeschlossen werden, musste diese Sonderabschreibung erfolgen. Dabei geht man nicht nach der Wahrscheinlichkeit vor, was noch passieren könnte, sondern nur nach dem, was im ersten Quartal faktisch feststand. Es ist also möglich, daß diese Absichtserklärung einen variablen Bestandteil enthält und sich die Ablösesumme noch erhöhen könnte. Etliche Quellen hatten von 11 Millionen Ablöse geschrieben, die allerdings erst nach dem fünften Liga Spiel gegen Real Madrid zustande gekommen wäre. Sollten diese Quellen stichhaltig sein, würde man es erst beim Halbjahresbericht sehen können. Auch der BVB Analyst Marcus Silbe von Oddo Seydler hatte in seiner Analyse vom 9.11. auf diese möglicherweise höhere Ablösesumme hingewiesen.

Ein positives Ergebnis im Gesamtjahr würde auch durch weitere zu erwartende Transfers beeinflusst, zum Beispiel eine Kaufoption für Blaszczykowski in Höhe von 6 Mio durch Florenz, die direkt ergebniswirksam werden würde, sowie eventuell weitere Transfers, aber auch sonstige Effekte wie deutlich höhere Sponsorenprämien für die bessere Platzierung. Die meisten dieser Effekte treten im 4. Quartal auf, so rutschte Borussia Dortmund in der letzten Saison nach 9 Monaten in die roten Zahlen, was sich aber nach dem 4. Quartal ausglich.


Sehr besonders sind die Umsatzsteigerungen in einem Jahr ohne Champions League. Der Umsatz stieg ggü dem Vorjahr um 20 Mio bzw. 28,64%, auch Ex-Transfer stieg der Umsatz um 9,66%, das ist sehr deutlich. Bei weiterem sportlichen Erfolg, also zum Beispiel ein Viertelfinale in der Euro League, Platz 2 in der Bundesliga und Viertelfinale im Pokal würde der Umsatz schätzungsweise auf insgesamt ca. 310 Millionen inkl. Transfers ansteigen können, dies ohne weitere Top Transfers, aber kleineren Transfers wie zum Beispiel Blaszczykowski.


23.10.2015

Mein Gespräch mit dem Analysten Marcus Silbe von Oddo Seydler

Ich habe mich gestern über eine Stunde sehr ausführlich mit Marcus Silbe von Oddo Seydler unterhalten. Ich sah einen Klärungsbedarf, wie es zu der Kurszielabstufung kam, obwohl seine Schätzungen bei der BVB Aktie klar übertroffen wurden.

Schon mal vorweg: Das Gespräch war sehr angenehm und konstruktiv. Es wurde vereinbart, daß wir weiter in Kontakt bleiben, auch weil er bedingt durch meine zahlreichen Aktivitäten in den Diskussionsforen bei Wallstreet Online, bzw. Ariva und Twitter einige Tips und Anregungen bekommen hätte, ich könne ihn gerne auch direkt auf Dinge hinweisen die mir auffallen würden. Das Interesse ist auch meinerseits, ich habe durch ihn Dinge erfahren, die mich brennend interessiert hatten, für die ich aber trotz zahlreicher Quellen keine klaren Antworten bekam.
Mir war nicht klar, warum die Analysten nicht schon im Vorfeld auf die CL Ausfallversicherung hingewiesen hatten, denn daß es eine Versicherung gab, stand im Wertpapierprospekt zur Kapitalerhöhung die für jeden einsehbar war.
Aus rechtlichen Gründen wäre dies nicht möglich, aber auch weil unklar war, um welche Summe es sich überhaupt konkret handeln würde. Im Fall einer Nicht Teilnahme der Euro League wäre der Ausfallbetrag deutlich höher gewesen, nämlich 35 Millionen (!).

Am 14.8.2014 hatte Oddo Seydler 256,1 Mio Umsatz für die Saison 2014/15 geschätzt unter der Bedingung daß man Platz 3 erreicht. Tatsächlich gab es eine Saison, in der die sportlichen Erwartungen verfehlt wurden, diese Umsatzschätzung aber mit 276 Mio dennoch sehr deutlich übertroffen wurde. Hinzu kamen 12 Mio durch die CL Ausfallversicherung die in diesem Umsatz nicht auftauchen, wohl aber in der Gesamtleistung. Auch die Schätzung für die laufende Saison hat Marcus Silbe nach oben angepasst, obwohl man nicht Champions League spielt, erwartet wird jetzt ein um 9 Mio höherer Umsatz als noch zu Beginn der Saison 2014/15, nämlich 282 Mio.
Im Gespräch wurde deutlich, daß diese Schätzungen ggf. weiter angepasst werden müssen, sollte Borussia Dortmund sportlich erfolgreich sein.
Aber zum heutigen Zeitpunkt konnte man sagen, daß die Gesamteinnahmen für beide Jahre 41 Mio höher liegen, als noch am 14.8.2014 geschätzt, und daß in diesem Zusammenhang eine Kurszielabstufung von 6 auf 5 Euro klärungsbedürftig ist.
Ich hatte vor allen Dingen die sehr späte Abstufung kritisiert, denn bei einem Aktienkurs von knapp 3,80 am Ende der Hinrunde war der Abstand zum Kursziel schon sehr gewaltig. Marcus Silbe hatte da aber noch einen größeren Optimismus für den sportlichen Verlauf, auch war noch nicht klar, daß bedingt durch die Leerverkaufsaktivitäten von BlackRock der Kurs weiter in Mitleidenschaft geraten würde.
Ich kann sein Verhalten jetzt zumindest nachvollziehen, auch wenn ich mich selber da taktisch anders verhalten hätte. Für mich ist die entscheidende Frage, inwieweit eine Kurszielabstufung ein Signal an die Märkte ist. So ein Signal hätte man beim Tabellenletzten eben gar nicht falsch verstehen können, kurz vor der Euro League Qualifikation hingegen schon. Aber das wären Details, denn im Grunde habe ich mit ihm die größte Übereinstimmung, denn ich sehe selber für die nächsten 12 Monate ebenso ein Kursziel von 5 Euro, welches ich bei weiteren guten Nachrichten ggf. anpassen würde.

Ob sich Seydler in dieser Sache in irgendeiner Form unlauter verhalten hätte, insbesondere bei den sehr merkwürdigen Aktivitäten von BlackRock kann ich zu 100% ausschließen. Dafür habe ich nach diesem Gespräch einen Instinkt, der jeglichen Verdacht ausschließt.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wies Marcus Silbe ausdrücklich auf die in seinen Analysen genannte faire Bewertung der Aktie bei 7,27 hin. Man müsse unterscheiden zwischen der fairen Bewertung, die objektiv überprüfbar sei und dem Kursziel an sich. Das sehe ich genauso.

Interessant wurde es auch bei der Erörterung der möglichen Gründe für die sehr krasse Unterbewertung der Aktie. Großinvestoren hätten sich in dieser sportlich prekären Situation weniger für Daten und Zahlen interessiert, bei einer Abstiegsgefahr würde einem auch das erhebliche Risiko bewusst, bzw. wenn man nicht Champions League spielen würde, fehle der Glanz und es wäre nun mal eine klare Verschlechterung.
Besonders erschwerend ist auch der hohe Free Float der Aktie. Die BVB Aktie wird teilweise von Kleinanlegern dominiert. In den Foren könne man mühelos erkennen, daß eine große Uneinigkeit bestünde. Dinge würden diskutiert, die überhaupt nicht relevant wären. Es gibt kein Aktienkückkaufprogramm, weil man den Aktienkurs nicht mit Geldmitteln nach oben treiben muss, eben weil auch keine Kapitalerhöhung geplant ist. Wofür Borussia Dortmund das eingenommene Geld verwenden würde, wurde eigentlich klar kommuniziert, wenn in den Foren aber eine abweichende Meinung bestünde, die den zugleich niedrigen Aktienkurs erklären soll, wäre das klar negativ zu werten.
Marcus Silbe nannte aber nicht nur diese negativen Diskussionsstränge, sondern z.B. auch das genannte Kursziel von 9,90 welches nichts mit der Realität zu tun hätte. Ich hatte da gleich eingehakt, daß dies eine große Ausnahme gewesen wäre und die Optimisten die Sache eigentlich mehrheitlich realistisch einschätzen würden.
Für den kurzfristigen Verlauf müsse man sehen, inwieweit die BVB Aktie tatsächlich das Kursziel von 5 Euro erreicht, es wäre eine weite Strecke. Beim mittel- und langfristigen Szenario bestünde aber bei einem normalen sportlichen Verlauf kaum ein Zweifel daran, daß die Aktie steigen müsse. Es gäbe ein ganz gewaltiges und deutliches Wachstum, dem der Aktienkurs Rechnung tragen müsse, da die Diskrepanz zwischen fairer Bewertung und dem Aktienkurs kaum noch höher ausfallen würde. Ein Anstieg des Aktienkurses würde zudem vermutlich Anschlusskäufe nach sich ziehen.

Dazu noch eine kleine Anmerkung von mir, die nicht in diesem Gespräch erörtert wurden:

Der Aktienkurs ist von Juni 2012 bis Juli 2014 um über 150% gestiegen, nämlich von 2,10 bis knapp 5,20 dazu die Dividenden, also 5,40. Die sportlichen Misserfolge führten letztlich auch zu Gewinnmitnahmen, letztlich sehe ich das auch in meinem eigenen Anlegerverhalten, weite Teile des Marktes verhalten sich genauso. Beim Kursziel 5 Euro hatten viele verkauft, ähnliches war zuvor bei den Kurszielen 3, bzw. 4 Euro zu beobachten. Wenn man sich das historische Kursverhalten der BVB Aktie anschaut, wäre das zweite Erreichen der 5 Euro Marke nicht zwingend mit weiteren Konsolidierungen verbunden, zumindest interpretiere ich den Kursverlauf von 2012 bis 2014 so.



25.09.2015

Umsatzschätzung für 2015/16 (update 22.2.2016)

Beim heute veröffentlichten Geschäftsbericht hat Borussia Dortmund auf Seite 123 eine konkrete Prognose für den Konzernumsatz angegeben: 265 Mio

Die Prognosen von Borussia Dortmund sind aber stets sehr konservativ gehalten, folgendes stand im letztem Geschäftsbericht: "Um die Vorjahresumsätze zu übertreffen, bedarf es jedoch herausragender sportlicher Erfolge" Tatsächlich stieg der Konzernumsatz von 260,7 Mio auf 276 Mio (plus CL Ausfallversicherung, die in diesem Gesamtumsatz nicht auftaucht). Herausragende sportliche Erfolge hat es bekanntlich nicht gegeben, ganz im Gegenteil.

Die Analysten hatten zu Beginn der letzten Saison die sportlichen Erwartungen benannt, nämlich Platz 3. Dafür gab es zu Beginn der letzten Saison eine Konsensschätzung von 259 Mio, der designated Sponsor Oddo Seydler kam konkret auf nur 256,1 Mio Umsatz. Diese Erwartungen wurden haushoch geschlagen, obwohl es sportlich allenfalls durchwachsen lief.

In dieser Saison ist es wieder dasselbe. BVB Analyst GSC Research schätzt 258 Mio Umsatz, Bankhaus Lampe 265 Mio. Damit liegen die Schätzungen wieder untern denen von Borussia Dortmund.

Ich finde es sehr erstaunlich, daß die Umsatzschätzungen ganz generell immer viel zu tief angesiedelt sind. Bei den von Borussia Dortmund angegebenen Zahlen kann ich es noch halbwegs verstehen, sie wollen nicht zu optimistisch sein. Aber es sollte doch ein leichtes sein, dieses Spiel zu durchschauen?

Wenn man die Mindereinnahmen in dieser Saison den Mehreinnahmen gegenüberstellt, kommt man auch wenn man konservativ rechnet auf ein klares Umsatzwachstum in einer Saison ohne Champions League.

Folgende Einnahmen entfallen in dieser Saison:
45 Mio in der Champions League inkl. Spieltagseinnahmen und Sponsorenleistungen
eventuell 10 Mio weniger durch den DFB Pokal

Dem stehen aber folgende Mehreinnahmen gegenüber:
+ 16,2 Mio aus TV Auslandsvermarktung und TV Bundesligaeinnahmen
+ 30 Mio in der Euro League bei Achtelfinal Teilnahme

Bei Platz 2 oder 3 in der Bundesliga rechne ich mit mindestens 10 Mio Mehreinnahmen durch die Sponsoren, so wurde es auch auf der letzten  Jahreshauptversammlung formuliert.

Weitere Minder- oder Mehreinnahmen: Wegfall des Supercups, dafür Spiele in Asien, Mehreinnahmen durch die Übernahme des Caterings, bzw. Merchandising Mehreinnahmen, sowie deutlich höhere Transfereinnahmen.

In einer Mischkalkulation schätzte ich den Gesamtumsatz in der laufenden Saison am 17.12.2015 auf mindestens 310 Mio (vor der Saison schätzte ich 280 Mio). Als Bedingung dafür nannte ich mindestens Platz 2 in der Bundesliga. Diese Schätzung passe ich nun an, da ich Platz 2 als gesichert annehme, schätze ich nun 320 Mio Umsatz unter der Bedingung, daß BVB in der EL nicht im 16-tel Finale ausscheidet und danach entweder das EL Viertelfinale oder das DFB Pokalfinale erreicht, also nur in einem KO Wettbewerb vorzeitig ausscheidet.

Folgendes schätzten die BVB Analysten: Vor der Saison lag die Konsensschätzung bei knapp 265 Mio, diese wurde im Laufe der Saison teilweise angepasst, die Konsensschätzung liegt mittlerweile bei 272 Mio. Eine dramatische Fehleinschätzung.


18.09.2015

Nebenwerte Magazin

"Nebenwerte Magazin", 24.8.2015
SDAX – VERPASSTE CL-QUALIFIKATION DES BVB SCHLÄGT ERST IN DIESER SAISON VOLL DURCH

So wie fast alle Medien geht auch das Nebenwerte Journal davon aus, daß der Wegfall der Champions League Millionen in dieser Saison zu deutlichen Einnahmerückgängen führen wird. Dabei werden aber einige sehr schwerwiegende Fehler gemacht. Sie beziffern die letztjährigen Einnahmen in der Champions League inklusive sämtlicher Sponsoren- und Zuschauereinnahmen auf knapp 45 Mio und vergleichen mit den letztjährigen Einnahmen vom Vfl Wolfsburg in der Euro League, die nur bei 12,5 Mio gelegen hätten.
Das ist aber ein nicht stimmiger Vergleich, da Borussia Dortmund deutlich höhere Zuschauereinnahmen in der EL hat und die UEFA Prämien im Vergleich zum Vorjahr um 64% gestiegen sind. Watzke beziffert die Einnahmen auf konservativ gerechnet 30 Mio, sollte man Achtelfinale erreichen.
Die Differenz betrüge in diesem Fall nur noch 15 Mio, es gibt aber auch nicht wenige Mehreinnahmen, z.B. 16,2 Mio höhere TV Einnahmen insbesondere durch die TV Auslandsvermarktung.
Bei einer höheren Bundesliga Platzierung kämen noch höhere Sponsoren Zahlungen hinzu und einiges mehr.

Nebenwerte Magazin schreibt:
"Alles in allem ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Einnahmen aus der EL und die ausgezahlte Entschädigung aus der Versicherung die verpassten Einnahmen aus der CL annähernd kompensieren können."

Da die CL Versicherung bereits ausgezahlt wurde und knapp 15 Mio beträgt, wären bei Achtelfinalteilnahme die Mindereinnahmen damit komplett kompensiert.

Unterm Strich wird es in der laufenden Saison ohne Champions League Einnahmen und ohne Versicherungssumme, die ohnehin nicht im Gesamtumsatz auftaucht, sogar leicht höhere Umsätze geben. Sollte man in der Euro League das Finale erreichen, hätte man mit ca. 45 Mio ggü der Champions League überhaupt keine Mindereinnahmen, wohl aber deutliche Mehreinnahmen bei den anderen Einnahmesäulen.

30 Millionen Einnahmen in der Euro League
16,2 Mio Mehreinnahmen durch TV Einnahmen

Freddie Röckenhaus in der Süddeutschen Zeitung vom 27.8.2015
45 Mio Euro League Einnahmen bei Finalteilnahme


24.08.2015

Bernecker Aktienbräu Nr. 10

In der neuen Ausgabe vom Bernecker Aktienbräu machen sich vier Experten Gedanken über die BVB Aktie:

Markus Weingran (Redaktionsleiter Bernecker TV)
Stefan Schmidbauer (Bernecker Einzelanalyse)
Oliver Kantimm (Der Aktionärsbrief)
Bernhard M. Klinzing (Frankfurter Börsenbrief)

Hier kann man sich die BVB Analyse ansehen, Video startet ab der 24. Minute:

 

Dazu habe ich ein paar Kommentare.

Oliver Kantimm meinte, mit Fussballaktien wäre langfristig kein Geld zu verdienen. Hm, wie langfristig denn? In den letzten 5 Jahren hat die BVB Aktie 204%, in den letzten 3 Jahren 28% besser performt als der DAX, dazu die Dividenden. Durchaus möglich, daß in den nächsten 5 Jahren die Unterbewertung weiter abgebaut wird.

https://www.comdirect.de/inf/aktien/detail/kennzahlen.html?ID_NOTATION=144434

Er nennt eine Studie über 66 europäische Fussballclubs, die festgestellt hätte, daß einzig die Champions League und Investoren finanziellen Erfolg ermöglichen würden. Soll heißen? Bei Borussia Dortmund sind Investoren eingestiegen, die ca. 140 Mio in die Kassen brachten, man spielte 4 Jahre hintereinander Champions League, diesmal "nur" Euro League, der Ausfall wird aber durch die Euro League Einnahmen von 30 Mio bei Achtelfinale zusammen mit den 15 Mio Mehreinnahmen durch die  TV In- und Auslandsvermarktung weitgehend kompensiert, spielt man also im darauffolgenden Jahr wieder Champions League, wäre weiteres Wachstum und finanzieller Erfolg gewährleistet. Bedingungen wären also erfüllt...

Der Stoxx Europe Football Index würde jahrelang schlecht performen, dies wäre der Beweis, daß mit Fussballaktien kein Geld zu verdienen ist. Die BVB Aktie performte in den letzten 5 Jahren 300% und in den letzten 3 Jahren 60% besser als dieser Index. Auch in den anderen relevanten Zeitfenstern, außer natürlich dem 12 Monatsfenster, aber dies sehe ich eher einen Hinweis darauf, daß hier eine gute Kaufgelegenheit entstanden sein könnte. Zwischen Juni 2012 und Juli 2014 konnte die BVB Aktie immerhin über 150% zulegen, die sportliche Misere führte letztlich auch zu Gewinnmitnahmen und ist nicht zwingend ein Beweis für weitgehende wirtschaftliche Verfehlungen.

Stefan Schmidbauer hat die BVB Aktie mehrmals besprochen, sah Licht und Schatten und hat gutes Geld verdient, weil er auf der Shortseite unterwegs gewesen war. Ich denke mal auf der Call Seite wäre in den letzten 5 Jahren deutlich mehr zu holen gewesen.
Seine Grundannahme "beim Wirtschaftsunternehmen Borussia Dortmund tut sich relativ wenig, ist uninteressant" klingt schon sehr aberwitzig. 180 Mio Schulden wurden komplett abgebaut, dafür hat man nun über 50 Mio Cash, der Umsatz stieg von 79 Mio bis auf heute 276 Mio, das Eigenkapital des Konzerns von 25 Mio auf heute 286 Mio. Da tat sich also eine ganze Menge...

Bernhard M. Klinzing teilt zwar die grundsätzlich skeptische Einschätzung, nennt aber immerhin die CL Ausfallversicherung und stellt beim Blick auf den 5 Jahreschart fest, daß die BVB Aktie bei CL Teilnahme grundsätzlich gestiegen ist. Dann verliert er aber den Überblick. Er stellt das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund grundsätzlich in Frage und nennt den FC Porto als gutes Gegenbeispiel. Dieser würde durch Transferverkäufe sehr gutes Geld verdienen, wenn es eine Porto Aktie gäbe, würde er diese kaufen.
O je. Es gibt mittlerweile eine Porto Aktie, diese performt krass schlechter als die BVB Aktie:













Das Geschäftsmodell von Porto wird in Fankreisen zwar als gut dargestellt, allerdings bleibt davon nicht viel übrig, wenn man sich damit näher befasst. Bei den meisten Spielern teilt sich Porto die Transferrechte mit privaten Investmentfonds, so daß oftmals nur ein kleiner Teil der Ablösesumme beim Verein bleibt:

Die Welt, 15.4.2015
Bayern gegen den Export-Weltmeister des Fußballs

Bei genauerem Blick auf die Bilanzen des FC Porto wird die Sache nicht besser:

"Exkludiert man jedoch das Ergebnis aus dem Spielerhandel so ergäbe sich für die letzten neun Geschäftsjahre ein kumulierter Verlust von gewaltigen EUR -339 Mio."

Offensivgeist.de Marco Mesirca / 2015
Wirtschaftsanalyse des FC Porto

Die Annahme von Bernhard M. Klinzing das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund wäre nicht förderlich für einen steigenden Aktienkurs, kann ich nicht teilen. Denn Spieler nicht zu verkaufen, um den sportlichen Erfolg zu halten und z.B. dauerhaft in der Champions League zu spielen, wird letztlich zu einem weiteren sehr starken Wachstum führen. Bayern München hat jahrzehntelang nichts anderes vorgemacht, deren Gewinne und Gewinnausschüttungen an die Anteilseigner waren jahrelang nicht sonderlich hoch:

Gewinne und Umsätze von Bayern München, Zahlen wurden von Wikipedia übernommen: 

2007/2008 Umsatz 286,8 Mio € Gewinn 2,1 Mio €
2008/2009 Umsatz 268,7 Mio € Gewinn 2,5 Mio €
2009/2010 Umsatz 312,0 Mio € Gewinn 2,9 Mio €
2010/2011 Umsatz 290,9 Mio € Gewinn 1,3 Mio €

Der Wert von Bayern München lag damals bei ca. einer Milliarde € und hat sich laut letzter Forbes Liste mittlerweile auf 2,347 Milliarden verdoppelt. Gäbe es eine börsennotierte Aktie von Bayern München, wäre diese ziemlich sicher gestiegen.

In diesem Interview erklärt Hans-Joachim Watzke schlüssig den Strategiewechsel:

n-tv, 21.8.2015
Watzke zur BVB-Bilanz"Wollen das, was wir erwirtschaften, in Fußball stecken"





09.07.2015

TV Gelder für die Bundesliga

Die durchschnittlichen Bundesliga Erlöse aus der Inlandsvermarktung stiegen gegenüber dem vorherigen Vertrag um 52%. Hier eine genaue Auflistung der TV Gelder für die Bundesliga:

2010/11: 404 Mio
2011/12: 413 Mio
2012/13: 438 Mio
2013/14: 560 Mio
2014/15: 615 Mio
2015/16: 663 Mio
2016/17: 673 Mio

"Die Steigerung des TV-Vertrages auf die nunmehrige Summe ist ein Meilenstein in der Geschichte der Bundesliga", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Die Welt, 17.4.2012,
Die Bundesliga feiert einen Quantensprung

Dazu kommen die Erträge aus der Auslandsvermarktung, bis 2014/15 gab es für die Bundesliga 71,6 Mio aus der Auslandsvermarktung, dieser Betrag verdoppelt sich auf 154 Mio, bzw. 162 Mio Euro in der nächsten Spielzeit:

TV Auslandsvermarktung

Insgesamt gibt es für die Bundesliga in der Saison 2016/17 also 835 Mio aus der TV Vermarktung:

Zeit Online, SID Newsticker, 27.1.2015
DFL-Boss Seifert fordert globale Expansion der Bundesliga

Da Liga-Boss Reinhard Rauball die internationalen Erlöse auf 200 bis 250 Mio Euro steigern möchte (Quelle s.o.) hätte man bei 250 Mio aus der Auslandsvermarktung insgesamt bereits 923 Mio TV Einnahmen. Die Milliardengrenze wird beim neuen TV Vertrag der im April 2016 verhandelt wird, also ziemlich sicher deutlich überschritten.

Sehr interessant dürfte die Ausgestaltung der TV Gelder Verteilung sein, diese dürfte sich ziemlich sicher verändern. Es soll nicht nur das sportliche Abschneiden berücksichtigt werden, sondern auch die TV Zuschauerquoten, Borussia Dortmund liegt hier auf Platz 2 der Zuschauertabelle.

In der nächsten Saison hat Borussia Dortmund laut Kicker Print vom 30.3.2015 Mehreinnahmen von 13,83 Mio Euro aus der TV Auslandsvermarktung, die gesamten Mehreinnahmen belaufen sich auf über 15 Mio. Durch den neuen TV Vertrag ab 2017 dürfte hier noch viel deutlichere Steigerungen zu erwarten sein.

25.05.2015

Die 9-Monatszahlen

Der nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) ermittelte Konzernfehlbetrag im dritten Quartal beträgt in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres EUR -4,7 Mio. (Vorjahreszeitraum EUR 8,4 Mio.).

Borussia Dortmund hält dennoch die Prognose für ein positives einstelliges Jahresergebnis aufrecht. Inklusive Transfereinnahmen erwarte ich nach wie vor mindestens 15 Mio Gewinn (viel hängt von einem Gündogan Transfer ab).

In den ersten 9 Monaten hat die vollständige Kreditablösung in Höhe von 4,3 Mio das Ergebnis einmalig belastet. Viel entscheidender ist aber, daß in den ersten 9 Monaten gegenüber dem Vorjahr zwei Bundesliga Heimspiele und ein Pokal Viertelfinale weniger stattfanden, diese drei Heimspiele finden nun alle im 4. Quartal statt.

Im letztem Geschäftsjahr waren zudem die Entwicklung der Personalkosten sehr auffällig:

Q1: +26%
Q2: +12%
Q3: +13%
Summe Q1-Q3: +16%

Q4: -24% !!! Jahr: +1%

Das könnte sich im laufenden Geschäftsjahr ähnlich entwickeln. Ich gehe davon aus, daß die sehr günstige Personalkostenquote auch in diesem Jahr aufrecht erhalten bleibt.

Personalkosten

Interessant sind auch die Aussagen von Watzke in einem BILD Zeitungsinterview : "Es ist unser Ziel, in den nächsten Jahren immer ein zweistelliges operatives Ergebnis auszuweisen!"
Letztlich wird die Schuldenfreiheit dabei helfen. Watzke: "Allein mit dieser Maßnahme werden pro Saison etwa fünf bis sechs Millionen Euro frei, die nicht mehr für Zinsen und Tilgung ausgegeben werden müssen."

Borussia Dortmund ist schuldenfrei

Bezeichnend ist auch der Vergleich mit Branchenführer Bayern München, deren durchschnittliche Gewinne fallen nicht höher aus:

Gewinne  und Umsätze von Bayern München, Zahlen wurden von Wikipedia übernommen:

2007/2008 Umsatz 286,8 Mio € Gewinn 2,1 Mio €
2008/2009 Umsatz 268,7 Mio € Gewinn 2,5 Mio €
2009/2010 Umsatz 312,0 Mio € Gewinn 2,9 Mio €
2010/2011 Umsatz 290,9 Mio € Gewinn 1,3 Mio €

Mittlerweile sind die Gewinne bei Bayern München höher:

2011/2012 Umsatz 332,2 Mio € Gewinn 11,1 Mio €
2012/2013 Umsatz 393,9 Mio € Gewinn 14,0 Mio €
2013/2014 Umsatz 528,0 Mio € (incl. Arena) Gewinn 16,4 Mio €

Bayern München wird in der neuen Forbes Liste mit 2,14 Milliarden € bewertet, Borussia Dortmund mit 617 Mio €. Die Diskrepanz zur Börsenkapitalisierung (derzeit 340 Mio € bei einem Aktienkurs von 3,70) ist sehr auffällig und steht im offenkundigen Gegensatz zu anderen börsennotierten Fussballaktien.



24.05.2015

30 Millionen Einnahmen in der Euro League (Stand 25.9.2015)

Watzke nannte 30 Mio Einnahmen in der Euro League, falls man dort das Achtelfinale erreicht.

"Das ist konservativ gerechnet. Ich gehe davon aus, dass wir egal gegen welchen Gegner ein gut gefülltes Stadion haben werden. Und: Wir haben Sponsoring-Verträge, die auch für die Europa League sehr werthaltig sind."

Der Westen, 8.5.2015
BVB-Boss Watzke: "Tuchel sollte erstmal arbeiten dürfen"

Noch konservativ gerechnet bezog sich u.a. darauf, ob sich drei oder vier deutsche Mannschaften für die Euro League qualifizieren. Durch die Qualifikation von Leverkusen zur Champions League werden sich zunächst nur drei deutsche Mannschaften den Market Pool der Euro League teilen müssen. Die Gesamteinnahmen könnten also bei Achtelfinale durchaus höher sein.

Das betrifft zunächst nur die EL Gruppenphase, im weiteren Verlauf könnten noch Bayern München, Wolfsburg, Leverkusen und Gladbach dazu stoßen, falls diese in der Champions League Gruppenphase nur Dritter werden.

Schon bei der Jahreshauptversammlung nannte Watzke in einer Saison ohne Champions League deutlich steigende Sponsoreneinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe:

Jahreshauptversammlung der Aktionäre am 24.11.2014

Sehr wesentlich sind natürlich die Spieltagseinnahmen. Immerhin sind die Gegner in der Euro League deutlich leichter, man spielt nicht gegen Juventus im Achtelfinale, sondern z.B. gegen CFC Genua, die in der italienischen Liga 27 Punkte hinter Juventus liegen, selbst Neapel hat noch 23 Punkte Rückstand auf Juventus.

Also nehmen wir mal vorsichtig optimistisch das Viertelfinale an: Dann hätte man exakt doppelt so viele Heimspiele wie in der jetzigen Saison:

2 Qualifikationsspiele
3 Gruppenspiele
16-tel Finale
Achtelfinale
Viertelfinale

macht 8 Heimspiele in der Euro League gegenüber 4 CL Heimspielen in dieser Saison.

Die 30 Millionen Einnahmen von Watzke würden in dem Fall sogar noch übertroffen, da er lediglich ein Achtelfinale einkalkuliert und seine Berechnungen noch konservativ nennt. Bei den Spieltagseinnahmen sind zudem deutliche Ticketpreiserhöhungen zu berücksichtigen, man kann als Dauerkarteninhaber die EL Tickets nicht mehr zu den ermäßigten Konditionen dazu buchen, sondern muss diese voll bezahlen. Neu wird auch sein, daß der Versand der Tickets 2014/15 noch umsonst war, während ab nächster Spielzeit dafür 6€ erhoben werden. Alles in allem machen diese Preissteigerungen ca. 6% bis 9% aus.

Schließlich die deutlich gestiegenen Prämien seitens der UEFA. Um satte 64% steigen nächste Saison  die Prämien für die Euro League:

Sollte Borussia Dortmund weiter als bis zum Achtelfinale kommen, hätte man seitens der UEFA folgende Prämien:

Teilnahme am Viertelfinale: 1,0 Mio
Teilnahme am Halbfinale: 1,5 Mio
Finalsieger/-teilnehmer: 6,5/3,5 Mio

Sport 1, 31.3.2015
Vereine bekommen deutlich mehr Geld von der UEFA

Dazu die Spieltagseinnahmen und vor allen Dingen jeweils steigenden Sponsoreneinnahmen.

Folgendes schreibt Freddie Röckenhaus in der Süddeutschen Zeitung vom 27.8.2015
Reich im Cup der Verlierer

"Dank seiner vielen Zuschauer kann Dortmund auch in der Europa League bis zu 45 Millionen Euro verdienen." (Bei Finalteilnahme, der Artikel ist auch ansonsten sehr lesenswert!)

Selbst wenn man im Achtelfinale ausscheidet, dürften die Euro League Einnahmen zusammen mit den auf der Bilanzpressekonferenz genannten 16,2 Mio Mehreinnahmen durch die  TV In- und Auslandsvermarktung die letztjährigen CL Einnahmen komplett kompensieren.


21.05.2015

Die BVB Aktie im Würgegriff der Hedgefonds

Am 23.2.2015 wurden erstmals Leerverkäufe auf die BVB Aktie von "Macquarie Funds Management Hong Kong Limited" im Bundesanzeiger veröffentlicht. Leerverkäufe werden ab einer Schwelle von 0,50% meldepflichtig und müssen bei Bundesanzeiger.de veröffentlicht werden. Danach werden jede weitere 0,1% bei Über- oder Unterschreiten meldepflichtig.

Kurze Erläuterung zur eigenen Recherche: https://www.bundesanzeiger.de aufsuchen, danach unten rechts auf "zu den Netto-Leerverkaufspositionen" klicken und "Borussia" im Suchfeld eingeben, dann hat man die aktuellen Leerverkaufspositionen. Wenn man unten links das Häkchen bei "Auch historisierte Daten finden" setzt und ein Datum eingibt, bekommt man auch die nicht mehr aktuellen Leerverkaufspositionen.

"Macquarie Funds Management Hong Kong Limited" ist am 19.3.2015 unter die Meldeschwelle von 0,50% gerutscht, möglicherweise haben sie sich mittlerweile komplett eingedeckt.

Am 12.3.2015 wurde "BlackRock Investment Management (UK) Limited" mit 0,50% meldepflichtig, diese Position haben sie bis zum 21.4.2015 bis auf 1,10% ausgebaut, ehe sie am 11.5.2015 minimal reduziert hatten, nämlich um 0,01% auf nunmehr 1,09%

Zusätzlich hat "BlackRock Institutional Trust Company, National Association" eine Leerverkaufsposition aufgebaut, die am 27.3.2015 mit 0,50% meldepflichtig wurde.

Insgesamt hält BlackRock also z.Z. (Stand 21.5.2015) 1,59% leerverkaufte Aktien, dies entspricht 1,46 Mio Aktien, die sie kaufen müssen, um sich beizeiten einzudecken. Für die geliehenen Aktien müssen sie eine Leihgebühr zahlen, zudem müssten sie bei einer Dividendenausschüttung die Dividende dem Verleiher zahlen.

Bisher scheint die Spekulation von BlackRock nicht wirklich aufzugehen: Seit dem 26.3. wurden bei beiden BlackRock Fonds insgesamt 736.000 Aktien als leerverkauft gemeldet und lediglich 9.200 Stück eingedeckt. Tiefstkurs am 26.3.2015 war auf XETRA 3,513

Der Aktienkurs ist seitdem aber nicht signifikant gefallen und steht aktuell höher.

Im April 2015 konnte man signifikant höhere Umsätze bei der BVB Aktie beobachten, obwohl lediglich 0,09% neue Leerverkäufe am 21.4.2015 gemeldet wurden. Daraus könnte man schließen, daß ein Eigenhandel betrieben wurde, um künstliche Umsätze zu erzeugen, bzw. den Aktienkurs zu drücken. An und für sich ist der Verdachtsmoment erst mal sehr vage, als in den letzten beiden Handelstagen im April 2015 die Umsätze bei der BVB Aktie aber regelrecht explodierten (927.220 Stück auf XETRA), ohne daß es nennenswerte fundamentale Nachrichten gab oder besondere Kursschwankungen, habe ich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Brief geschrieben, den ich hier veröffentlicht habe.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß von der BaFin gegen BlackRock ein Bußgeld verhängt wurde, weil gegen Vorschriften des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen wurde:

20.3.2015
BlackRock: BaFin verhängt Bußgeld in Höhe von 3,25 Mio. Euro

Ich gehe davon aus, daß nur allein die Tatsache, daß BlackRock 1,46 Mio BVB Aktien kaufen muss, deutlich steigende Aktienkurse zur Folge haben könnte.



27.04.2015

Der HSV (aktualisiert 27.8.2016)

Laut Gutachter ist der HSV 350 Mio wert, die Investoren kamen aber günstiger zum Zuge. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung bezifferte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer den Wert der HSV Fussball AG auf 275 Mio. Ich nehme das mal zum Anlass mit Borussia Dortmund zu vergleichen. Einige Angaben sind von mir geschätzt, Irrtum nicht ausgeschlossen.

Umsatz letzte Saison
HSV 128 Mio
BVB 276 Mio

Umsatz diese Saison (HSV geschätzt)
HSV 135 Mio
BVB 376 Mio

Gewinn letzte Saison
HSV - 16,9 Mio Verlust
BVB + 5,5 Mio

Gewinn diese Saison (HSV geschätzt)
HSV - 8 Mio Verlust
BVB + 29,4 Mio

Wert der Marke (in Dollar)
HSV 103 Mio
BVB 326 Mio

Schulden
HSV - 56 Mio Schulden
BVB schuldenfrei (seit dem 2. Quartal 2014/15)

Kaderwert (Transfermarkt.de)
inklusive zweiter Mannschaft
HSV 76,3 Mio
BVB 342,4 Mio

Marktkapitalisierung
HSV nach Einstieg von Investoren (Aktien werden nicht an der Börse gehandelt) 250 Mio,
BVB Börsenkapitalisierung bei einem Aktienkurs von 4,25 liegt bei 391 Mio

fairer Wert laut Gutachter, bzw. Analysten
HSV 350 Mio
BVB:
KPMG 830 Mio
Oddo Seydler 902 Mio
CFO Thomas Treß 750 Mio

Personalkostenquote (incl. Transfers)
HSV 50%
BVB 49,9% (in der EL Saison wurden teilweise CL Gehälter gezahlt, die Quote wird sich demnächst verbessern, siehe Link unten)

Facebook Fans
HSV 0,78 Mio
BVB 14,7 Mio

Trikotverkäufe
HSV 50.000
BVB 500.000


Quellen:

Trikotverkäufe
Süddeutsche Zeitung, 27.8.2016
In China Geld verdienen, im Ruhrpott daheim sein

Wert der Marke BVB

BVB schuldenfrei

Hamburger Abendblatt, 25.10.2014
HSV laut Gutachten 350 Mio wert

Die Bewertung bei Forbes und KPMG

BVB Analyst Oddo Seydler

goal.com, 9.7.2015
Wert des HSV laut Beiersdorfer bei 275 Mio

Die Peergroup (HSV, Manchester United, Juventus Turin, Bayern München und Hertha BSC)

Personalkostenquote

Kicker, 2.12.2015
HSV gibt Rekord-Minus von 16,9 Millionen bekannt



23.04.2015

Borussia Dortmund ist gegen fehlende Champions League Einnahmen versichert (update 3.11.2015)


update 9.12.2015

BVB Analyst Marcus Silbe von Oddo Seydler schätzt in der neuen Analyse vom 25.8.2015 das Volumen der Ausfallversicherung auf 12 Millionen Euro. Die CL Ausfallversicherung wurde bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr verbucht, taucht aber nicht im Gesamtumsatz von 276 Mio auf, sondern in der Gesamtleistung. Diese stieg von 266 Mio auf 293 Mio (Geschäftsbericht Seite 93, bzw. Seite 111 "Sonstige betriebliche Erträge")

Borussia Dortmund nutzt eine ungewöhnliche Versicherung um sich gegen die Einnahmeausfälle der Champions League abzusichern. Die Details wären vertraulich. Geschäftsführer Watzke lehnte eine Stellungnahme ab. Derartige Versicherungen wären in England verboten, aber im internationalen Fussball bei Spitzenmannschaften durchaus üblich, in der Bundesliga wären derartige Versicherungen erlaubt. Die Versicherungen hätten die Möglichkeit gehabt den Vertrag zu kündigen, wenn Klopp den Verein während der Saison verlassen hätte.

Bloomberg Business, 23.4.2015
Dortmund Said to Be Insured for Champions League Revenue Losses

Im Wertpapierprospekt zur Kapitalerhöhung wird diese Versicherung von Borussia Dortmund auf Seite 89 bestätigt. pdf des Wertpapierprospektes


dpa ROUNDUP fasst zusammen: 8-10 Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga hätten ähnliche Verträge, die Prämienhöhe würde für Borussia Dortmund wohl zwischen fünf und zehn Prozent der Versicherungssumme liegen:

dpa ROUNDUP, BVB-Versicherung kein Novum, 24.4.2015


Sehr viele weitere Artikel beziehen sich auf den Bloomberg Artikel, eine Auswahl:

Das Wirtschafts Blatt, 23.4.2015
Wie Borussia Dortmund trotzdem bei der Champions-League abkassiert

Handelsblatt, 23.4.2015
BVB versichert sich gegen Umsatzverluste

Welt, 23.4.
Umstrittene Versicherung bringt dem BVB Millionen

BILD berichtet gewohnt reißerisch: "Das ist wohl einer der besten Verträge, die Borussia Dortmund je gemacht hat."

BILD, 23.4.
Dortmund gegen Misserfolg versichert






02.03.2015

Juventus Turin

Juventus hat bei den Halbjahreszahlen einen Verlust von -6,7 Mio € bekanntgegeben. Die Verbindlichkeiten stiegen um 8,7% auf 224 Mio €. "Die Verluste resultieren vor allem aus einem Anstieg bei den Spieler- und Personalausgaben in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Das teilte Juve mit."

Sport 1, 28.2.2015
Juve verschuldet sich immer mehr

Die Personalkosten sind bei Juventus im Verhältnis zum Umsatz viel zu hoch. Bereits eine Personalkostenquote von 50 oder mehr Prozent wären eine kritische Größe. Hier die Personalkostenquote im europäischen Vergleich:

Italien 71%
Frankreich 70%
England 68%
Niederlande 64%
Spanien 61%

Bei der Bundesliga und insbesondere bei Borussia Dortmund ist die Personalaufwandsquote weitaus günstiger:

Bundesliga 52% 
Borussia Dortmund Ex-Transfers 42,1% (nach dem ersten Halbjahr unter 40%)

Statista.com, März 2013
Verhältnis von Personalkosten zum Umsatz in europäischen Fußball-Ligen im Jahr 2011

27.2.2015
BVB Personalaufwandsquote

Richtig interessant wird es, wenn man sich die Sache bei sportlichem Misserfolg anschaut. Bei Juventus Turin würden die Umsätze dramatisch zusammenbrechen, weil sie durch die Champions League viel mehr Geld erhalten als deutsche Vereine. Italienischer Marktpool der Champions League liegt bei ca. 80 Mio, für die Bundesliga aber nur bei rund 50 Mio.
Ich denke mal, diese Diskrepanz wird nicht mehr lange Bestand haben, da es bei der nächsten Rechteperiode vermutlich eine klare Steigerung geben wird. Die deutlich höheren Einnahmen bei Juventus resultieren aber auch daher, daß die Einnahmen nur auf zwei italienische Vereine aufgeteilt werden. Folglich bekam Juventus beim Ausscheiden im Viertelfinale 2013 über 10 Mio mehr als der Champions League Gewinner Bayern München.

Welt, 24.7.2013
Juventus kassierte mehr Geld als Sieger Bayern

Wenn aber bei Juventus mal der Erfolg ausbleibt, könnte es sehr schnell richtig finster werden. 224 Mio Schulden und eine durchgehend sehr ungünstige Personalaufwandsquote könnten den Verein bei einem möglichem Wegfall der Champions League Einnahmen schnell in eine Schieflage bringen. Sie wären sofort ein Pleitekandidat. Vielleicht könnten sie noch Spieler verkaufen, das wären dann schon Notverkäufe, oder aber erneut eine riesige Kapitalerhöhung stemmen, natürlich verbunden mit extremen Kursverlusten von mindestens 40%

In diesem Zusammenhang sind die finanziellen Eckdaten von Borussia Dortmund bei sportlichem Misserfolg umso bemerkenswerter.

27.02.2015

Personalkosten

Ein sehr wichtiger Aspekt für die Renditefähigkeit eines Fussballvereins ist die Personalaufwandsquote, auch Personalkostenquote genannt.

Wikipedia:
Personalaufwandsquote

Die Personalaufwandsquote liegt bei Borussia Dortmund durchgehend bei unter 50%. Berechnet wird dafür üblicherweise der Ex-Transfer Umsatz.

So hat sich die Personalaufwandsquote in den letzten Jahren entwickelt:

2009/10  45.6%
2010/11  44.4%
2011/12  42.3%
2012/13  41.9%
2013/14  42.1%
2014/15  44,7%
2015/16  49,9%

In der letzten Saison hat sich die Personalkostenquote auf 49,9% Ex-Transfers erhöht. Hauptsächlicher Grund waren die fehlenden Champions League Einnahmen. Borussia Dortmund hat in dieser Saison das Risiko leicht erhöht, indem sie bei der Vertragsverlängerung mit Reus und Aubameyang diesen beim Sockelbetrag ein Champions League Gehalt geboten hatte. Watzke hatte mehrfach betont, daß der damalige Kader nicht zu finanzieren gewesen wäre, falls man die CL erneut verpassen hätte.

Sollte der derzeitige Kader im wesentlichen auch in den nächsten Jahren zusammenbleiben, dürfte sich die Kostenstruktur aber wieder verbessern, da man deutliche Umsatzsteigerungen durch neuen TV Vertrag erwartet. Insofern war das eingegangen Risiko nicht wirklich hoch. Schalke und der HSV haben durchgängig eine Personalkostenquote von 50%, bei einigen europäischen Topclubs liegt diese Quote sogar erheblich höher:

"In 2014/15 Dortmund’s wages were 13th highest of the top 15 clubs in the Money League, while their wages to turnover ratio was easily the lowest. Even after the 2015/16 rise to 49%, it would still be below all the others with the exception of Bayern."

The Swiss Ramble, 11.10.2016
Borussia Dortmund - The Sound Of The Crowd




23.02.2015

Bewertungsvergleich mit anderen Fussballvereinen


Eine Grafik von halbprofi87 aus dem Ariva Forum:



Die Bewertung bezieht sich auf die Forbes Liste, da nicht alle Vereine an der Börse notiert sind. Bei den börsennotierten Vereinen fällt auf, daß es bei keinem Verein eine wesentliche Diskrepanz zwischen der Forbes Bewertung und der Börsenkapitalisierung gibt. Außer bei Borussia Dortmund natürlich. Ich gehe zudem davon aus, daß der Wert von Borussia Dortmund bei der nächsten Forbes Liste deutlich steigen wird.


20.02.2015

Die Halbjahreszahlen (update: 23.2.2015)

Borussia Dortmund gab am 20.2.2015 bei den vorläufigen Zahlen zum ersten Halbjahr einen Konzernhalbjahresüberschuss in Höhe von 3,7 Mio (Vorjahr: 8,2 Mio) bekannt. Da die Hypothekenschulden auf das Stadion vorzeitig abgelöst wurden, gab es eine einmalige Vorfälligkeitsentschädigung. Diese wurde auf ca. 5,5 Mio geschätzt, fiel aber nun mit nur rund 4,3 Mio deutlich günstiger aus.
Diese Kosten sind einmalig, werden das Ergebnis also zukünftig nicht weiter belasten. Im Gegenteil, ich rechne für die nächsten Quartale mit einer Verbesserung des Ergebnisses:

"Allein mit dieser Maßnahme werden pro Saison etwa fünf bis sechs Millionen Euro frei, die nicht mehr für Zinsen und Tilgung ausgegeben werden müssen."

21.11.2014
Borussia Dortmund ist schuldenfrei

Die Analysten von Hauck & Aufhäuser mit Kursziel 7 Euro hatten für das Gesamtjahr ein Ergebnis von lediglich 2,7 Mio geschätzt, nun wurde dieses Ergebnis bereits im Halbjahr um deutliche 37% übertroffen.

Auch sämtliche Umsatzschätzungen der Analysten werden sehr wahrscheinlich deutlich übertroffen, ich rechne mit ca. 280 Mio Umsatz im Gesamtjahr, das entspräche einer Steigerung von 7,42%.
Die Umsätze stiegen allein im Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 13,7 Mio, bzw. 10,1%

Dabei ist zu beachten, daß es im Vorjahr ein Bundesliga Heimspiel mehr gab, auch das DFB Achtelfinale fand im Vorjahr im ersten Halbjahr statt. Diese Umsätze werden also im zweiten Halbjahr stattfinden.

17.11.2014
Die Analysten Schätzungen

Ein wichtiger Grund für die deutlich bessere Renditefähigkeit von Borussia Dortmund liegt in der weitaus günstigeren Personalkosten Quote als von Hauck & Aufhäuser geschätzt. Die Personalkosten Quote ist auf unter 40% gesunken, d.h. die Einnahmen (Umsätze) sind stärker gestiegen. Hauck & Aufhäuser nahm für das Gesamtjahr eine Steigerung dieser wichtigen Kennziffer auf 44,4% an. Eine klare Fehleinschätzung.