21.05.2013

Eine Aktie für die Wand

So titelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Printausgabe vom 18.5.2013, der Online Ausgabe bringt einen etwas gemäßigteren Titel: "Aktien für die Fans". Der Originaltitel "Eine Aktie für die Wand" bezieht sich natürlich auf Uli Hoeneß, der im Artikel sehr prominent am Schluß zitiert wird, quasi als Fazit:

"Die Dortmund Aktien kann man an die Wand kleben. Ich werde meine verkaufen."

Was die Süddeutsche da bringt, ist gelinde gesagt eine Zumutung. Titel und Zitate, sowie großformatiges Bild sorgen für ein reißerisches Niveau, wenn dann noch vollkommen falsche Dinge behauptet werden, ist es nur noch unterstes Stammtisch Niveau. Man kann ohnehin vom Wirtschaftsteil der Süddeutschen nicht allzu viel erwarten, ich denke aber, daß eine derartig große Zeitung geradezu verpflichtet ist ein Minimum von journalistischer Sorgfaltspflicht walten zu lassen, das ist hier absolut nicht der Fall.

"Den Ausgabekurs von elf Euro erreicht die Aktie nie mehr."

Dieser Satz ist unzureichend. Es gab mehrere Ausgabekurse, das darf man nicht unterschlagen. Borussia Dortmund kommt z.Z. auf eine Marktkapitalisierung von 200 Millionen Euro. Wäre es bei den 13,5 Millionen Aktien zum Emissionspreis von 11 Euro geblieben, stünde der Aktienkurs kaum bei 3,20

Natürlich ist die Marktkapitalisierung von Borussia Dortmund seit der Emission gewachsen, aufgrund mehrerer Kapitalerhöhungen gibt es aber mittlerweile nicht 13,5 sondern 61 Millionen Aktien, daher liegt der

durchschnittliche Ausgabekurs bei 4,98.

Ziemlich sicher wird die Aktie diesen durchschnittlichen Ausgabekurs erreichen, selbst der Emissionspreis von 11 Euro ist durchaus erreichbar. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von 670 Millionen Euro. Klingt ambitioniert, allerdings wäre es ziemlich törricht nie zu sagen. Man müsste sich einfach mit den Kenndaten der Peergroup beschäftigen, ob nun KGV oder Kurs Umsatz Verhältnis, es scheint nicht ambitioniert. Der Wert von Bayern München wird auf eine Milliarde Euro geschätzt und wird sich weiter erhöhen, die Fussballbranche und die Bundesliga insbesondere befinden sich in einer Boomsituation, die sie momentan gegen Konjunkturrisiken immun macht.

Auch Arsenal London, Real Madrid, Barcelona und Manchester United kommen auf wesentlich höhere Marktkapitalisierungen in Milliardenhöhe. Die sind auch durchaus gerechtfertigt, allerdings stimmt das Verhältnis zu Borussia Dortmund nicht.

Das durchschnittliche KGV für Real Madrid, Barcelona, Arsenal London und Bayern München liegt bei 50, durchschnittliches Kurs Umsatzverhältnis der Peergroup liegt bei 5, dem muss man eigentlich gar nichts mehr hinzufügen.

In dem Artikel wird sehr ausführlich über die Fehler der Niebaum/Meier Ära berichtet. Warum? Was hat das heutige Management mit seinen Vorgängern gemeinsam? Eigentlich nichts. Was ist daran nicht schon längst bekannt und wurde in unzähligen Artikeln aufbereitet? Was daran ist für die heutigen oder zukünftigen Aktionäre noch interessant? Nichts, oder sagen wir mal so: fast nichts.

Watzke schätzt den Anteil der BVB-Aktionäre der ersten Stunde nur noch auf rund ein Prozent.

Weiterhin wird explizit darauf hingewiesen, daß der Aktienkurs kaum auf die Verpflichtung von Jürgen Klopp reagiert hätte. Das ist so unsäglich wie fast alles an dem Artikel. Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley war gezwungen ihre Aktien zu verkaufen, nur das hat den Kurs ganz erheblich belastet und ließ ihn auf positive Ereignisse nicht reagieren.

Ich zitiere den CFO Thomas Treß:
"Großaktionäre, die in der Summe mehr als 50 Prozent aller Aktien gehalten hatten, haben – aus unterschiedlichsten Gründen – seit 2007 bis Mai/Juni 2010 ihre Anteile sukzessive verkauft."

Infolgedessen konnte der Aktienkurs erst nach diesen Verkäufen auf die positiven Ereignisse reagieren. In der Tat, plötzlich war der Weg frei und die Aktie hat sich knapp vervierfacht.

Eigentlich könnte man erwarten, daß die Süddeutsche Zeitung derart simple Zusammenhänge erkennen und benennen kann. Oder daß sie wenigstens die finanziellen Kennzahlen benennt (KGV für die BVB Aktie liegt bei 3,xx, Kurs Umsatzverhältnis deutlich unter 1, bisherige Dividendenrendite lag bei 2%, dafür wurde lediglich ein Zehntel des Gewinns verwendet, zukünftige Dividende wird vermutlich um mindestens 50% angehoben), oder daß die Kursentwicklung der letzten 12 Monate kommentiert (+50%) wird. Nichts davon.

Stattdessen vermutet die Süddeutsche, daß aufgrund der teilweisen hohen Umsätze bei der BVB Aktie Spekulanten unterwegs sind. Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, in diversen Foren wird schon länger der Verdacht der Manipulation geäußert. Aber was die Süddeutsche bei den Beweggründen für derlei Spekulation vermutet, halte ich für reichlich naiv.

Man würde die BVB Aktie mit einer Sportwette gleichsetzen. Das machen sicherlich einige Fans, die sind aber kaum für derartig hohe Umsätze verantwortlich. Auch der Verweis auf eine Studie der FU München, um wieviel Prozent der Aktienkurs auf Niederlagen oder Siege reagiert, ist da wenig hilfreich. Denn derartige Statistiken muss man erst mal richtig deuten.
Es ist kaum verwunderlich, daß der Aktienkurs nicht auf die vollkommen überraschende Heimniederlage gegen Hoffenheim am 18.5.2013 reagiert hat, eben weil sie letztlich unbedeutend war. Was den Markt interessiert, ist die erneute Champions League Qualifikation, sobald diese erreicht ist, sind einzelne Siege oder Niederlagen unbedeutend.

Zu guter Letzt behauptet die Süddeutsche der Sieger würde in der Champions League über 70 Millionen Euro verdienen. Ich würde mal sagen, daß das auf den Verlierer zutrifft.

Alles in allem ein ganzer Haufen von Unwahrheiten, Halbwahrheiten oder falschen Schlussfolgerungen, die hier zusammengefaselt werden.

Bleibt die Frage, warum die Süddeutsche die Meinung von Uli Hoeneß so in den Vordergrund stellt. Eigentlich war es lediglich eine Plauderrunde im Doppelpass Format, so etwas nenne ich Stammtisch. Was hat so etwas in einem großen Artikel zur BVB Aktie zu suchen?

Sicherlich gibt es einige unbedarfte Fussballfans, die Hoeneß für einen äußerst fähigen Manager halten und folglich auch seine Meinung zu der einzigen deutschen Fussballaktie beachten. Das wäre allerdings fatal! Ich brauche hier wohl nicht weiter ausführen, daß Hoeneß ein glühendes Interesse hat, den Konkurrenten klein zu reden.

Was sagt denn ein niedriger BVB Aktienkurs aus Sicht von Uli Hoeneß aus? Die Titel sind nicht so viel wert, wie es für viele den Anschein hat!!!

Also genau in seinem Sinne: "Dortmund hat keine Weltklassespieler", "Dortmund ist eine regionale Sache". Attackieren, wo man nur kann, in Dampfplauder Manier. Das nicht zu verstehen, oh je, Süddeutsche Zeitung, oh je...

Weil das alles noch nicht reicht, kommt die Steueraffäre noch dazu, mit unglaublich vielen Nachrichten, beinahe täglich. Hoeneß wäre börsensüchtig, nach Angaben seines Sohnes immer noch. Hoeneß hätte mit Telekom Aktien Millionen verloren. Uiuiui. Womit hat er dann aber das viele Geld verdient??? Ich würde mal sagen, auf Millionenverluste fallen keine Steuern an...

In diesem Zeitraum hat sich der DAX gevierteilt, viel Geld kann man da eigentlich nur mit PUT Scheinen verdienen. Sehr simpel.
Wir wissen nicht, womit Hoeneß sein Geld an den Finanzmärkten verdient hat. Die Quellen sind ziemlich fragwürdig, aber daß die Spekulationen ins Kraut schiessen, ist das normalste der Welt.

Vor allen Dingen wissen wir nicht, was und ob er überhaupt in den letzten Jahren weiter spekuliert hat. Nach eigenen Angaben nicht, nur sind die nicht besonders glaubwürdig. Tatsache ist, daß er sich in einem sehr besonderen Moment, in dem die Nachrichtenlage für Borussia Dortmund und die BVB Aktie so excellent wie noch nie war, abfällig zur BVB Aktie geäußert hat.

Das Zitat von Uli Hoeneß, welches die Süddeutsche zitiert, ging ja noch weiter:

"Die Dortmund-Aktie kann man an die Wand kleben. Ich werde meine verkaufen, weil sie nach dem Sieg gegen uns nicht gestiegen, sondern gefallen ist. Das ist ein schlechtes Zeichen"

oh lala. Wie deckt sich das denn mit der Studie der FU München???

Dann hat er Watzke noch Märchen unterstellt, was die Personalkosten angeht...

So etwas kann für die Süddeutsche Zeitung doch nur bedeuten ACHTUNG!!! Entweder man deutet die Dinge so, wie sich nun mal anbieten: Wer sich in so einem bizarren Moment äußerst medienwirksam abfällig über die BVB Aktie äußert, führt der was im Schilde??? Die Frage dürfte nach gegenwärtiger Nachrichtenlage erlaubt sein.

Oder aber man hält sich tunlichst von diesem Thema fern, zu heiß, zu spekulativ, zu wenig faktisch untermauert, zudem wäre die geneigte Münchner Leserschaft für so etwas kaum empfangsbereit nur eine Woche vor dem Champions League Finale.

Stattdessen benutzt die Süddeutsche Zeitung diesen unsäglichen Quatsch als tatsächliches Argument gegen die BVB Aktie, das ist richtig unterirdisch, kann ich nicht anders sagen.


Quellen:
Süddeutsche, 18.5.2013
Aktien für die Fans (Originaltitel: "Eine Aktie für die Wand")

Durchschnittlicher Ausgabekurs 4,98

BVB-Aktionäre der ersten Stunde

NWZ online, 12.11.2010
„BVB-Aktie kann wieder atmen“  (CFO Treß über Großaktionäre, die ihre BVB Aktien verkauften)

über 70 Millionen Einnahmen für den Champions League Verlierer

despektierliche Zitate zu Borussia Dortmund:
Hamburger Abendblatt, 16.4.2012
Hoeneß will seine Dortmund-Aktien verkaufen

Spekulationen über das Börsenverhalten von Uli Hoeneß:
Politplatschquatsch, 25.4.2013
Besser als Goldman Sachs: Das Hoeneß-Depot


13.05.2013

BVB-CFO Treß: "Kein Wettrüsten mit den Bayern"

aus dem Interview mit Finanzvorstand Treß bei Finance TV vom 13.5.2013:

Kein Wettrüsten mit den Bayern

- Gesamteinnahmen in der Champions League liegen bei über 70 Millionen Euro

- Sponsoren Einnahmen werden in andere Preiskategorien rutschen

- die Personalkosten sind zu 40% variabel

Auf die Frage, ob Borussia Dortmund genau wie vor 15 Jahren, als man in der Champions League triumphierte ein Wettrüsten mit Bayern München beginnt, hatte Finanzvorstand Treß ein klare Antwort gegeben. Zudem wies er auf einen gravierenden Unterschied hin: Damals hatte man 200 Millionen Schulden bei einem Umsatz von 75 Millionen, heute hat man 50 Millionen Schulden, bei einem Umsatz von deutlich über 200 Millionen Euro.

Kleine Anmerkung von mir: Der Umsatz von Borussia Dortmund wird im laufenden Geschäftsjahr bei über 300 Millionen liegen. Watzke nannte noch vor dem Viertelfinal Einzug 250 Millionen Umsatz als realistisch, nun kommen auch noch 37 Millionen für den Götze Transfer, sowie weitere Champions League Einnahmen hinzu.