24.03.2013

Der BVB und die Analysten

Der Dialog mit Klaus Kränzle von Westend Brokers Research endet aprupt, da Westend Brokers die Erstellung von Research eingestellt hat, siehe auch hier (Quelle in den Kommentaren):

Offener Brief an den Analysten Klaus Kränzle

Ich nehme das zum Anlaß ein kleines Fazit zu ziehen. Denn anscheinend hat auch der Analyst Sebastian Hein seine Coverage eingestellt. Ich habe zwar nicht persönlich mit ihm gesprochen, wohl aber mit dem Leiter der IR Abteilung des BVB, Dr. Robin Steden, der mir die kolportierten Gerüchte aus den Internetforen bestätigte. Nach einigen gravierenden Fehlanalysen von Sebastian Hein begann ein Shitstorm in den Foren, denn die Empörung war gewaltig.

Sebastian Hein von Lampe hatte am 14.11.2011 einen Gesamtumsatz von 134,8 Millionen für die Saison 2012/13 angenommen. Das ist gerade mal eineinhalb Jahre her. Am 20.6.2012 hatte er diese Schätzungen angepaßt auf 168,7 Millionen. Tatsächlich wird das von Watzke genannte Umsatzziel von 250 Millionen sogar noch übertroffen. Daß er mit den Schätzungen so derartig daneben lag, war auch lange vorher schon augenfällig. Daß er bei einem Schlußkurs von 2,25 zum Zeitpunkt der Analyse ein Kursziel von 2,60 angibt, dabei aber nur das Rating "Halten" erteilt, erschien einigermaßen bizarr. Denn im Disclosures wird verbindlich mitgeteilt, das "Halten" eine Kursentwicklung von 0 - 10% bedeutet. Derlei Fehler gibt es einige, es wäre müßig sie alle aufzuzählen.

Zwar sind derartige Analysen nicht wirklich wichtig für die Kursentwicklung einer Aktie. es hat mich aber zusehend genervt, daß zahlreiche Kommentaren sich ausschließlich auf die Analysten Sebastian Hein, bzw. Klaus Kränzle berufen hatten, ohne anscheinend eigenständige Recherchen anzustellen.

Interviews vom Deutschen Anleger Fernsehen zur BVB Aktie gab es hauptsächlich mit den genannten Analysten, das Interview mit Finanzvorstand Treß war da eine sehr gute Ausnahme:

Finanzvorstand Treß beim Eigenkapitalforum 2012

Auch das Handelblatt oder die Wirtschaftswoche hatte sich vornehmlich auf in meinen Augen nicht gute Analysen der genannten Analysten berufen.

Die BVB Aktie in den Medien

Zwar ist es generell gut, wenn man vorsichtig analysiert und die Risiken benennt. Es ist aber nicht stimmig, wenn man annimmt, daß ein Fußballverein generell keine Spieler verkauft, bzw. man in allen Wettbewerben schlecht abschneidet. Daß der BVB in der Saison 2010/11 und 2011/12 bereits in der Rückrunde im internationalen Wettbewerb nicht mehr vertreten war, ist zwar als negativ zu werten, es macht aber ein schlechtes Abschneiden in der Bundesliga deutlich unwahrscheinlicher. Man hätte zumindest darauf hinweisen müssen, welche Umsätze und Gewinne möglich gewesen wären.

Und man hätte natürlich einen Peergroup Vergleich anstellen müssen. Aber seis drum. Mittlerweile gibt es von GSC Research eine Analyse, die zwar ähnlich vorsichtig agiert (Umsatzwachstum von 0,6%), dabei aber ein Kursziel nennt, daß zumindest den Erfolgen der Vergangenheit Rechnung trägt, ohne dabei besonders optimistisch in die Zukunft zu blicken.

GSC Research empfiehlt Kaufen bei Kursziel 3,80


22.03.2013

Offener Brief an den Analysten Klaus Kränzle



Sehr geehrter Herr Kränzle,

in Ihrer Analyse zur BVB Aktie vom 12.9.2012 schreiben Sie folgendes:

"For the current Bundesliga season we expect Dortmund to secure rank 1 to 3, which enables participation in 2013/14 UCL group stage."

Damit sind Sie also den Prognosen aller Experten und auch der Buchmacher gefolgt, nämlich das es als wahrscheinlich anzusehen ist, daß sich der BVB erneut für die Champions League qualifiziert.

Wenngleich ich Ihr Kursziel schon da als zu niedrig angesehen hatte, konnte ich aber gut nachvollziehen, daß Sie für den Fall, der BVB würde in der aktuellen Champions League besser abschneiden, ein Überarbeiten Ihres Kursziels in Aussicht stellen:

Ihre Analyse vom 15.11.2012:

"After a convincing performance this might be too cautious but highlights the unpredictable football business. We might change our assumptions if BVB finally secures rank 1 or 2"

Nach einem überragenden ersten Platz, haben Sie tatsächlich Ihr Kursziel angehoben, aber nur um 5 Cent. Deutlich zu wenig, wie ich finde. Aber dann mußte ich feststellen, daß Sie plötzlich sehr überraschend Ihre Erwartungen für die Bundesliga Saison heruntergeschraubt hatten:

Ihre Analyse vom 12.12.2012:

"Borussia Dortmund has reached an unexpected first rank in its challenging Champions League group. Therefore we have risen our sales estimates by around EUR5m. For 2013/14 we calculate with a participation in the Europa League."

Borussia Dortmund würde sich also nur für die Euro League qualifizieren, was deutliche Mindereinnahmen im zweistelligen Millionenbereich bedeuten würde. Gleichzeitig gingen Sie nunmehr davon aus, daß der BVB bereits im Achtelfinale der Champions League ausscheiden würde, anders kann man Ihre Gewinnschätzungen nicht deuten.

Sie gingen also davon aus, daß der BVB trotz Wegfalls der Mehrfachbelastung in der Bundesliga zurückfallen würde und das trotz der Tatsache, daß der BVB in der Rückrunde ein Heimspiel mehr hat. Das wäre in der Tat ein sehr negatives Szenario, daß mir Ihre sehr vorsichtige Prognose aber zugleich zugänglicher gemacht hat.

Nun bin ich aber maximal konsterniert, daß Sie in dem Interview vom Deutschen Anleger Fernsehen am 18.1.2013 in der Bundesliga plötzlich wieder von Platz 2-3 ausgehen.

Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man sich erneut für die Champions League qualifiziert oder eben nicht, genau dies kommunizieren Sie ja auch in Ihrem Interview!

In dem Interview sagen Sie zudem, Sie müßten schmunzeln über die Beiträge in den Internetforen, wenn sich Leute über Ihre Kursziele aufregen. Dazu kann ich sagen, ich muß dort gelegentlich auch schmunzeln, aber natürlich nicht über jeden Beitrag. Es gibt dort vollkommen unterschiedliche Kurserwartungen.

Allerdings sind die Erwartungen insgesamt deutlich höher als Ihre. Das hat den simplen Grund, daß die meisten eben nicht von Platz 5 ausgehen wie Sie in Ihrer Analyse vom 12.12.2012. Und daß die Mehrheit der Diskuttanten eben nicht einfach mal so die Erwartungen für die Bundesliga Saison herunterschraubt, ohne einen besonderen Grund. Man handelt mehrheitlich das wahrscheinliche Szenario.

Der BVB hat bis jetzt in der Champions League ca. 30 Millionen (!!!) mehr eingenommen, als selbst einkalkuliert, gleichzeitig ist die Grundvoraussetzung einer erneuten Qualifikation für die Champions League gewahrt. 


Finanzvorstand Treß erwartete 22 Millionen Einnahmen für die Champions League:

http://www.news.de/sport/855309348/bvb-erwartet-nach-meistertitel-und-pokal-rekordgewinn/1/

Stattdessen sind es mittlerweile 53 Millionen:

http://bvbaktie.blogspot.de/2013/03/champions-league-einnahmen.html

Von den ganzen Begleitumständen, nämlich gestiegene Merchandising Erwartungen, weiter steigende Sponsoren und Werbeeinnahmen, sowie weitaus bessere Chancen auf dem Transfermarkt aufgrund der Champions League Erfolge mal abgesehen.

Sie gehen anscheinend davon aus, daß ganz generell keine Spieler verkauft werden, wohl aber gekauft werden, was ein erhebliches Risiko darstellen würde. Dem kann ich absolut nicht folgen. Ich gehe hier, wie in allen anderen Punkten, vom wahrscheinlichen Szenario aus. 

Natürlich will ich nicht abstreiten, daß ein Risiko vorhanden ist, wie bei jeder Aktie. Aber die Aktie wird auch mit einem unfaßbaren Risikoabschlag gehandelt, dadurch wird die Chance ungleich höher, während das Risiko für sinkende Kurse minimiert wird.

In dem Interview äußern Sie auch Ihre Enttäuschung über die niedrige Dividende. Dazu möchte ich anmerken, ich finde es einigermaßen fantastisch, daß man eine Dividendenrendite von satten 2% erreicht, obwohl man nur ein Zehntel des Gewinns ausschüttet. 

Ich finde auch die ganz erheblich gestiegenen stillen Reserven äußerst beachtlich und bin sehr verwundert, daß das weder in Ihren Analysen, noch in Ihren Interviews überhaupt erwähnt wird. Konkret ist der Kaderwert in drei Jahren um 145 Millionen auf 254 Millionen Euro gestiegen, während der Kader nur mit 38 Millionen bilanziert ist.

Ab wann finden Sie das denn interessant oder überhaupt erwähnenswert? Der gesamte BVB kommt auf eine Marktkapitalisierung von unter 200 Millionen Euro. Wie kommt es, daß sie bei einem Aktienkurs von 2,84 und einer Marktkapitalisierung von 173 Millionen Euro auf das gestiegene Risiko hinweisen? Dieses Risiko ist doch eher gesunken, zwar ist der Aktienkurs gestiegen, dabei aber nur der galoppierend guten Nachrichtenlage hinterher gehechelt. Noch nie wurde die Aktie zu einem so niedrigem KGV gehandelt, aktuell gerade mal 6,xx. 

Sehr seltsam finde ich auch, daß Sie überhaupt nicht mehr auf die Peergroup hinweisen. Seit geraumer Zeit wird wieder die Manchester United Aktie gehandelt. Manchester United kommt auf eine Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden bei einem KGV von 72. Das sehe ich zwar als deutlich überbewertet an, dennoch komme ich dabei unweigerlich zu dem Schluß, daß die BVB Aktie deutlich mehr Chancen als Risiko hat. 

Zusammenfassend möchte ich sagen, daß ich ein gewisses Verständnis für den Ärger in den Internetforen habe, da man nicht nachvollziehen kann, daß Sie plötzlich in Ihrer letzten Analyse von einer Nichtqualifikation zur Champions League ausgehen, während Sie sich in Ihrem Interview dabei selbst widersprechen und sich dann noch über den Ärger in den Internetforen lustig machen. 

17.03.2013

Champions League Einnahmen (Stand: 24.7.2013)

Hier mal eine kleine Aufstellung der bisherigen Einnahmen aus der Champions League.

Teilnahmeprämie 8,6 Mio., Punkteprämien in der Gruppenphase 5,0 Mio., Prämien für das Achtelfinale 3,5 Mio., Viertelfinale 3,9 Mio., Halbfinale 4,9 Mio., Finale 6,5 Mio.

Insgesamt 32,4 Millionen Prämien


Die Einnahmen aus dem Market-Pool sind geringer als bislang angenommen und belaufen sich auf 21,761 Millionen Euro.

Bei den Zuschauereinnahmen rechne ich sehr vorsichtig mit ca. 1,6 Mio. Einnahmen pro Spiel. Das wären bei garantierten 6 Heimspielen insgesamt 9,6 Millionen Euro.

Eine große Unbekannte sind die Erfolgsprämien seitens der Sponsoren, sie dürften im zweistelligen Millionenbereich liegen.


In der "Euro am Sonntag" hat der CFO Treß die Angaben zu den Champions League Einnahmen präzisiert.

Insgesamt liegen die Einnahmen bei rund 75 Millionen. 


Finanzvorstand Treß in einem Interview mit Finance TV:

Finance TV, 13.5.2013
Kein Wettrüsten mit den Bayern

Die Welt, 11.4.2013
FC Bayern und BVB kassieren 120 Millionen Euro

Euro am Sonntag, 26.5.2013
Champions League machts möglich: BVB rechnet mit weiterem Rekordjahr