04.10.2017

Was bedeutet eine mögliche Meisterschaft für den Aktienkurs?

CFO Thomas Treß nannte zuletzt eine faire Bewertung bei 1,046 Mrd, dies entspräche einem Aktienkurs von 11,37. Diese Angaben sind wie immer sehr konservativ, sowohl KPMG als auch Forbes und BVB Analyst Marcus Silbe von Oddo kamen in den letzten Jahren immer auf eine höhere Bewertung als CFO Thomas Treß.

Normalerweise dürfte diese faire Bewertung in jedem Fall weiter steigen. Sollte Borussia Dortmund Meister werden, wäre der Anstieg aber größer, ich schätze in dem Fall einen Anstieg der fairen Bewertung auf mindestens 1,25 Mrd, natürlich ohne weitere mögliche Toptransfers.

Der Wert der Marke BVB würde klar und deutlich steigen, der Kaderwert ebenso, die Einnahmen durch Sponsorenprämien würden zweistellig steigen, dazu klar höhere Merchandising Effekte, bessere Aussichten bei der TV Inlandsvermarktung für die nächsten 5 Jahre und höhere Einnahmen in der nächsten CL durch den CL Marktpool.

2014 wurde die faire Bewertung bei 600 Mio benannt, der Abstand zur fairen Bewertung lag damals bei einem Aktienkurs von 5 Euro also bei lediglich 140 Mio. Sollte Borussia Dortmund Meister werden und der Aktienkurs bis auf 10 Euro steigen, läge der Abstand zur fairen Bewertung so wie jetzt bei ca. 300 Mio.

BVB Analyst Bankhaus Lampe würde quasi zwangsläufig das Kursziel anheben müssen, natürlich auch ohne Meisterschaft. Aber bei einer Meisterschaft würde das Kursziel nochmals deutlicher angehoben werden, ich schätze bis zu 13 Euro, je nachdem wie konsequent transfermarkt.de die neuen Kaderwertrichtlinien umsetzen würde.

Das Kursziel von Bankhaus Lampe ist klar definiert:

Wert der Marke BVB nach Brand Finance
+ Kaderwert bei transfermarkt.de
+Cash.

Der Wert der Marke könnte um +160 Mio steigen  (natürlich nicht nur wegen Meisterschaft, sondern vorrangig wegen CL Reform, letzte 12 Monate stieg dieser Wert um 145 Mio) Kaderwert könnte +130 Mio zulegen, und Cash könnte u.a. auch wegen Bonuszahlungen und wichtigen Sponsorenprämien um +40 Mio steigen.

Bei diesen optimistischen Annahmen würden diese drei Werte also um +330 Mio zulegen, bei 92 Mio Aktien würde dadurch das Kursziel um 3,59 steigen. Momentan liegt es bei den Berechnungen von Lampe bei 9,41, macht also insgesamt 13 Euro.

Wenn der Wert der Marke und Kader nur halb so viel steigen sollte (bei Verpassen der Meisterschaft, bzw. nicht ganz so optimistischen Annahmen beim Kaderwert von transfermarkt.de), würde das Kursziel auf 11,40 steigen.

Da der Oktober und November unmittelbar vor der Jahreshauptversammlung die stärksten Monate bei der BVB Aktienperformance sind, ist ein weiterer Anstieg des Aktienkurses bei guter Bundesliga Platzierung daher ziemlich wahrscheinlich.



08.09.2017

Die Prognosen für die Saison 2018/19

CFO Thomas Treß nannte heute 30-40 Mio Mehreinnahmen durch die CL Reform in der Saison 2018/19, bitte auch die Kommentare beachten:

Die CL Reform

Durch den neuen TV Vertrag hat man in der laufenden Saison 2017/18 Mehreinnahmen in Höhe von 21 Mio, diese Einnahmen werden bedingt durch den Staffelvertrag auch in der nächsten Saison steigen. Die CL Reform in der Saison 2018/19 bringt dann aber einen weiteren noch viel größeren Schub, es sollte klar sein, daß diese bis zu 40 Mio höheren Einnahmen nicht durch besondere sportliche Erfolge zustande kommen würden. Sollte man wie in der Vorsaison das CL Viertelfinale erreichen, lägen die Mehreinnahmen sogar noch höher. Die CL Reform bringt einen sehr deutlichen Einnahmeschub, für mich ist das auch eine Erklärung im nach hinein, wieso die TV Gelder Verteilung beim neuen TV Vertrag für die Inlandsvermarktung so solidarisch mit den kleineren Vereinen geregelt wurde.

In einem Gespräch mit dem BVB Analysten Marcus Silbe von Oddo im Sommer 2016 wurde deutlich, daß dieser bei der TV Gelder Verteilung eigentlich mehr erwartet hatte, das ging mir selber auch so. Seine Schätzungen für die Folgejahre aufgrund des neuen TV Vertrages musste er nach eigenen Angaben um ca. 10 Mio nach unten anpassen. Ich fragte ihn aber auch, welche Mehreinnahmen er durch die CL Reform erwarten würde, da nannte er mir noch 20 Mio. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die TV Gelder Verteilung nur aufgrund der anstehenden CL Reform so gestaltet wurde. Rummenigge hätte glänzend verhandelt, meinte Watzke auf der Jahreshauptversammlung.

Da man in der nächsten Saison sehr sichere Bonuszahlungen für Dembele zu erwarten hat, könnte man schon jetzt zweistellige Mio Gewinne in der Saison 2018/19 als gesichert annehmen. Hier mal die Bedingungen für die Bonuszahlungen für Dembele:

Vereinbart wurde die Fixsumme von 105 Mio, diese Summe ist in zwei Raten fällig, die größere Rate sofort, die zweite Rate während der Saison. 20 Mio muss man davon an Stades Rennes abgeben, also der Verein, der Dembele an den BVB verkauft hatte. Es wurde eine Beteiligung an einem Weiterverkauf vereinbart, dieser Betrag war aber bei 20 Mio gedeckelt.

Bonuszahlungen liegen laut Ad Hoc bei 43 Millionen. Normalerweise sind Bonuszahlungen an sportliche Erfolge geknüpft, das Besondere in diesem Fall ist, daß die Bonuszahlungen weitgehend "safe" sind.

Ein Drittel der Bonuszahlungen sollen an gar nichts gebunden sein, sondern müssten in jedem Fall gezahlt werden. 10 Mio werden fällig, falls Barcelona sich in den nächsten 5 Jahren wenigstens 1x für die CL qualifizieren sollte und weitere 10 Mio falls Dembele in den nächsten 5 Jahren 50 Spiele für Barcelona absolvieren sollte. Dafür müsste er noch nicht mal in der Startaufstellung stehen.

Solche Angaben sind natürlich spekulativ, die Bedingungen für die Bonuszahlungen stehen nicht in der Ad Hoc. Ich sehe es aber als weitgehend sicher an, weil sehr sehr viele Medien darüber übereinstimmend darüber berichten.

Man hätte also 34 Mio sichere Bonuszahlungen, lediglich 9 Mio wären an besondere sportliche Erfolge gebunden. Ein großer Teil dieser Bonuszahlungen sind bereits in der nächsten Saison fällig, dafür gibt es keine weiteren Abgaben an Stades Rennes, Dembele steht dann mit 0 Euro in der Bilanz.

Die gesamten Mehreinnahmen aus Dembele Bonuszahlungen und CL Reform könnten also bei ca. 70 Millionen liegen! Natürlich nur unter der Bedingung, daß man sich für die CL qualifiziert. Die Schätzung von Bankhaus Lampe für die Saison 2018/19 würde im Fall der CL Qualifikation klar übertroffen werden. Lampe schätzt für 18/19 lediglich einen Nettogewinn von 6,6 Mio. Die Kosten werden steigen, die Abschreibungen, die Personalkosten etc. Die Einnahmen steigen aber in einem Tempo, daß höhere Nettogewinne in meinen Augen unausweichlich sein werden.

Es sollte aber auch klar sein, daß die Abhängigkeit vom sportlichem Erfolg größer geworden ist. Zwar gehe ich davon aus, daß auch die EL Einnahmen eklatant steigen werden, eine CL Teilnahme ist für Borussia Dortmund aber wichtiger geworden, keine Frage. Der sportliche Erfolg ist aber mittlerweile an viel niedrigere Bedinungen geknüpft, in der Meistersaison 2010/11 musste man noch mindestens Zweiter in der Bundesliga werden, um sich direkt für die Champions League zu qualifizieren, ab sofort reicht dafür aber bereits Platz 4.



05.09.2017

BVB Analyst Bankhaus Lampe (aktualisiert am 6.9.2017)

In der neuesten Schätzung von Bankhaus Lampe mussten die Umsatzschätzungen für 16/17 und 17/18 um weitere dramatische 264,2 Mio nach oben angepasst werden:



Es gibt 8 Jahre in Folge keine einzige Schätzung, die nicht sehr deutlich nach oben angepasst werden musste, bei den Schätzungen für die Folgejahre ist es sogar noch viel deutlicher. Dies hatte zur Folge, daß die Kursziele jeweils deutlich angehoben werden mussten. In der Saison 2010/11 lag das Kursziel bei 1,05 und wurde auf 1,40 nach oben angepasst, der Aktienkurs ging aber bis November bis 3,69 hoch.

Die jetzige Anpassung wurde natürlich nicht nur aufgrund der bisherigen hohen Transfereinnahmen notwendig, man hatte im laufenden Geschäftsjahr mit Bender und Dembele lediglich Einnahmen in Höhe von 117,5 Mio exkl. Bonus, Bankhaus Lampe schätzt aber insgesamt 200 Mio Transfereinnahmen. Dafür sind die übrigen Schätzungen im Gegensatz zu Oddo wahrscheinlich viel zu konservativ! Ich selber komme in einer Mischkalkulation zu ähnlichen Umsatzschätzungen wie Oddo oder Lampe, würde mich aber nicht darauf festlegen wollen, daß man tatsächlich 200 Mio Transfereinnahmen haben wird. Tatsache ist, daß bei beiden Analysten die Umsatzprognosen zu Beginn einer Saison jedes Mal extrem übertroffen wurden und nun anscheinend beide mutiger werden in ihren Prognosen.


Bei der Gewinnschätzung geht Bankhaus Lampe von einem Rekordnettogewinn von 94,9 Mio aus, auch hier mussten sie die Schätzungen dramatisch nach oben anpassen. Oddo schätzt lediglich 73 Mio, aber vollkommen unabhängig davon, welche Gewinnziele letztlich tatsächlich erreicht werden, wird die BVB Aktie momentan mit einem einstelligen KGV gehandelt, was äußerst selten vorkommt und in der Vergangenheit selten lange Bestand hatte.

Bankhaus Lampe bewertet die BVB Aktie nach der Substanzwertanalyse, dabei gehen sie aber weiterhin sehr grob vor. Sie nennen immer noch den Kaderwert bei transfermarkt.de und ziehen von diesem Kaderwert die Werte von Weidenfeller, Subotic und Reimann ab, da diese den Verein ablösefrei verlassen könnten und so kommen sie auf einen derzeitigen Kaderwert von 386 Mio. 

Diesen von transfermarkt.de 1:1 übernommen Wert übernehmen sie in ihre Substanzanalyse, dazu addieren sie den Cash Betrag sowie den Wert der Marke BVB laut Brand Finance.

Die Rechnung geht wie folgt:

385.9 Mio Kaderwert (laut transfermarkt.de)
43 Mio Cash
436,9 Mio Wert der Marke

= 865,8 Mio
entspricht bei 92 Mio Aktien einem Aktienkurs von 9,41

Bankhaus Lampe führt explizit aus, was ein steigender Kaderwert für den Aktienkurs bedeuten könnte:

Kaderwert 
+ 50 Mio Kursziel 9,95
+25 Mio Kursziel 9,68
-25 Mio Kursziel 9,14
-50 Mio Kursziel 8,87

Gleiche Rechnung gilt selbstverständlich für den Cashbetrag und für den Wert der Marke BVB. 
Letztes Jahr ist der Wert der Marke BVB um 145 Mio Dollar gestiegen, sollte man nächste Saison auch CL spielen, wird dieser Wert höchstwahrscheinlich weiter steigen. 

Hier eine Aufstellung mit der Entwicklung des Markenwertes:

Der Markenwert des BVB bei Brand Finance


Nicht nur ein steigender Markenwert ist sehr wahrscheinlich, denn auch die Kaderwerte sind momentan viel zu konservativ berechnet! Diese Werte von transfermarkt.de sind für mich für eine professionelle Analyse nur bedingt tauglich! Die Spielerwerte bei CIES unterscheiden sich da sehr deutlich (was nicht heisst, daß CIES generell höher bewertet, denn die meisten Spieler werden dort niedriger taxiert, Subotic z.B. wird von CIES mit 0,5 Mio bewertet, während transfermarkt.de 5,0 Mio nennt). Man müsste normalerweise entweder selber die Kaderwerte schätzen oder zumindest einen Konsens aus CIES und transfermarkt.de bilden. Ich habe die Sache hier zusammengefasst, Kommentare beachten:

Die Marktwerte der BVB Spieler

Für den Fall, daß z.B. Spieler wie Zagadou (0,125 Mio), Pulisic (18 Mio) oder Bartra (10 Mio) aufgewertet werden, hätte dies bei in etwa gleichbleibenden übrigen Kaderwerten eine Kurszielanpassung zur Folge. Auch beim Cashbetrag gehe ich von einem steigenden Wert aus, da das viele Geld für Dembele wahrscheinlich nicht komplett reinvestiert wird. 


Es geht beim Kursziel also nicht um die aktuell hohen Gewinne, diese sind naturgemäß hohen Schwankungen unterworfen, sondern um eine substanzielle Unterbewertung. Daß diese bei derzeit extrem hohen Nettogewinnen zumindest teilweise abgebaut wird, ist das Investmentszenario von Bankhaus Lampe.

Die Analysen von Bankhaus Lampe haben ggü Oddo BHF den riesengroßen Vorteil, daß nicht sinnloserweise so extrem zwischen fairer Bewertung und Kursziel unterschieden wird. Oddo nennt eine faire Bewertung bei einem Aktienkurs von 11,48 kommt aber nur auf ein Kursziel von 7,50. Das ist in meinen Augen vollkommen widersinnig. Daher wurden die letzten Kursziele von Oddo allesamt sehr schnell erreicht und übertroffen, obwohl es eigentlich 12-Monatsziele sind.




03.09.2017

Ein paar Fakten zur BVB Aktie

Fussballaktien wären sehr spekulativ und nur für den Fan geeignet, heisst es immer wieder. Seit dem ersten Börsengang wäre die BVB Aktie immer noch im Minus. Hier ein paar Fakten zur BVB Aktie:

Der durchschnittliche Ausgabekurs aller ausgegebenen BVB Aktien liegt mittlerweile bei 4,83. Bereits 2012 schätzte Watzke "den Anteil der BVB-Aktionäre der ersten Stunde nur noch auf rund ein Prozent":

Wirtschafts Woche, 9.7.2012
Ballspiele an der Börse

Von der Creditreform hat Borussia Dortmund die höchstmögliche Bewertung erhalten. Lediglich 0,2 Promille der über vier Millionen wirtschaftsaktiven Unternehmen in Deutschland erreichen diesen besten Wert. Ohne die Schuldenfreiheit wäre dieses Rating kaum möglich gewesen.

BVB.de, 26.8.2016
Borussia Dortmund erreicht „ausgezeichnete Bonität“

Das erstaunliche Wachstum ist keineswegs so abhängig vom sportlichem Erfolg wie immer wieder von diversen Medien dargestellt, wie die Entwicklung der Ex-Transferumsätze zeigt:



Normalerweise hätten man bei den Ex-Transferumsätzen riesige Schwankungen, wenn der sportliche Erfolg so entscheidend wäre, denn eigentlich müsste es ein riesengroßer Unterschied sein, ob man das Double holt oder gegen den Abstieg kämpft, ob man das CL Finale erreicht oder stattdessen enttäuschend bereits im Viertelfinale der EL ausscheidet, obwohl man da Favorit auf den Titelgewinn war. In der Ex-Transferumsatztabelle sieht man aber nicht diese gravierenden Unterschiede, sehr offensichtlich spielen andere Faktoren, wie zum Beispiel der neue TV Vertrag eine größere Rolle, als diese sportlichen Erfolge oder Misserfolge. Seit 7 Jahren werden die Umsatzschätzungen der Analysten, die diese jeweils zu Beginn der Saison machten, ausnahmslos deutlich übertroffen. Natürlich wird dies auch durch sportliche Erfolge und teilweise hohe Transfereinnahmen möglich, aber eben nicht nur!

Im Mai 2016 schätzte beispielsweise BVB Analyst Oddo für 2016/17 noch 305 Mio Umsatz. Dieser wurde um über 100 Mio übertroffen, für 17/18 wurde 325 Mio prognostiziert, das ist gerade mal 15 Monate her und diese Schätzung musste am 29.8.2017 um 231 Mio (!!!) nach oben angepasst werden, sportliche Erfolge gab es aber noch keine, die Saison hat kaum angefangen und die Transfereinnahmen waren natürlich auch deutlich darunter!

Bei dem anvisierten Rekordgewinn von 73 Millionen wird die BVB Aktie momentan mit einem einstelligen KGV gehandelt, was extrem selten der Fall ist. Bei einer guten Kapitalmarktkommunikation seitens der Analysten hätte man rechtzeitig auf den starken Anstieg der stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders hingewiesen und dies in die Kursziele eingearbeitet. Letztlich war es spekulativ, ob Dembele wechselt oder nicht. Es war aber nicht spekulativ, daß sich sein Wert ggü dem Einkaufswert vervielfacht hat, CIES hatte ihn lange vor dem Wechsel deutlich hochgestuft, zuletzt stand er bei 98 Mio. Auch der Wert von Pulisic (68,2 Mio) und einigen anderen ist deutlich gestiegen.

Natürlich hat es eine Bedeutung, wenn die stillen Reserven insgesamt um einen dreistelligen Mio Betrag steigen, ob die stillen Reserven tatsächlich gehoben werden, ist dabei letztlich nicht wirklich entscheidend. Zudem ist bei dem jetzigen Dembele Deal das eigentlich bemerkenswerte ggü vorherigen Jahren mit hohen Transfereinnahmen, daß diese nicht komplett reinvestiert werden, was für die Schätzungen des nächsten Geschäftsjahres interessant sein wird. 

Nach dem Götze Rekordtransfer wurde die komplette Summe reinvestiert, bei Dembele hingegen ist es nur ein Bruchteil. Daher wird eine Neubewertung der BVB Aktie in meinen Augen über kurz oder lang unumgänglich sein, in der letzten Analyse gab Oddo die faire Bewertung mit 11,48 an, ich denke  aber, daß es dabei nicht bleiben wird und die faire Bewertung im nächsten Geschäftsjahr weiter steigen wird, denn sollte man da CL spielen, hätte man nach Angaben von Watzke wegen der CL Reform 30 Mio höhere Einnahmen. Dazu kämen noch sichere Bonuszahlungen für Dembele, die nicht an dessen sportliche Erfolge geknüpft sein werden.



29.08.2017

BVB Analyst Oddo BHF

In der jüngsten Studie vom 29.8.2017 wurden von Marcus Silbe, Analyst bei Oddo BHF, erstmals die Dembele Millionen in die Prognosen eingepreist. Da es noch weitere neue Nachrichten gab, also Bender und Mor Transfer, sowie einen lukrativen Vertrag mit Opel, musste er die Schätzungen insgesamt sehr deutlich anpassen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 liegt seine Umsatzschätzung nun bei 556 Mio und einem absoluten Rekordgewinn von 73 Mio, es wäre der höchste Gewinn für Borussia Dortmund und der höchste Gewinn in der Geschichte der Bundesliga. Damit wird die BVB Aktie derzeit mit einem einstelligem KGV von 8,86 gehandelt (bei einem Aktienkurs von 7,00 Euro)

Im Mai 2016 hatte Seydler noch 305 Mio Umsatz für 2016/17 und 325 Mio in 2017/18 geschätzt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 konnte Borussia Dortmund aber 406 Mio Umsatz erreichen, die Schätzung wurde also um 100 Mio (!) übertroffen. Bevor die Saison 2017/18 überhaupt sportlich richtig angefangen hat, musste die Umsatzschätzung sogar um schier unglaubliche 231 Mio (!!!) nach oben angepasst werden. Beim Nettogewinn wurde sowieso nicht ansatzweise so ein hoher Gewinn geschätzt.

Eine Anpassung um 231 Millionen nach gerade mal 15 Monaten, die nicht mit sportlichen Gründen zu tun hat und nur bedingt mit Transfereinnahmen, ist für mich ein gutes Indiz dafür, daß das wesentliche Wachstum durch sehr andere Faktoren bestimmt wird, als dem unmittelbaren sportlichen Erfolg. Dieser ist zwar wichtig, viel wichtiger aber ist der neue TV Vertrag, die stark gestiegenen TV Auslandseinnahmen und wichtige neue Sponsorenverträge.

Für den Trikotärmel erhielt Borussia Dortmund bisher durch Hermes 0,35 Mio jährlich, diese Werbefläche wird nun von Opel übernommen. Nach unterschiedlichen Angaben liegen die jährlichen Zahlungen von Opel bei bis zu 10 Mio jährlich (ohne Ärmel waren es letztes Jahr 3 Mio), die Differenz entspricht einer Verzwanzigfachung, sollten die Zahlen stimmen.

Zwar äußert Seydler in seinen Analysen immer wieder auch seine Enttäuschung über bestimmte Bilanzzahlen, wie zum Beispiel den Cash Flow, weil er aber öfter neue Updates macht als die anderen Analysten, hat er entsprechend höhere Erwartungen. Ich kann dazu nur sagen, daß ein um 231 Mio höherer Umsatz als noch im Mai 2016 geschätzt, sowie ein absoluter Rekordgewinn von 73 Millionen sehr phantastisch sind, damit sind auch meine eigenen Erwartungen haushoch geschlagen worden.

Ein Dembele Transfer in der Größenordnung entspricht etwa zwei Champions League Teilnahmen. Der direkte Gewinn aus diesem Dembele Deal ist aber weitaus höher, als er jemals bei zwei CL Teilnahmen hätte sein können. Vor dem Neymar Deal lagen die Schätzungen für einen Dembele Transfer bei lediglich ca. 90 Mio und ein Wechsel war sehr unwahrscheinlich. In dieser Größenordnung, also 148 Mio inkl. Bonus, konnte es Borussia Dortmund erstmalig gelingen, einen Spieler zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen, was natürlich dadurch begünstigt wurde, daß der Spieler keine Ausstiegsklausel und noch 4 Jahre Vertrag hatte.

Marcus Silbe hat nach diesen sehr wichtigen Nachrichten in seiner Analyse die faire Bewertung auf 11,48 angehoben. Das Kursziel hat er vorerst bei 7,50 belassen, weil der hohe Gewinn erst mal ein Einmaleffekt ist und der Aktienkurs wegen Dembele bereits sehr stark gestiegen ist. Es ist natürlich auch der gesamten Marktsituation geschuldet, für den Fall daß der Markt insgesamt crashartig nachgibt, wäre auch die BVB Aktie betroffen, obwohl sie stark unterbewertet ist.

Ich selber folge seinen sehr vorsichtigen Erwartungen beim Kursziel aber nicht. Falls der BVB viele Spiele verliert und den Anschluss an die CL Ränge in der Bundesliga verliert, hätte dies bei gleichzeitiger allgemeiner Marktschwäche sehr sicher auch Auswirkungen auf den Aktienkurs, dies ist aber nicht wahrscheinlich, denn in dieser Saison reicht erstmalig Platz 4 für die direkte CL Qualifikation und sportlich ist der Kader auch ohne Dembele sehr gut aufgestellt.

Dennoch ist es natürlich eine Spekulation, das will ich nicht in Abrede stellen.

Bei Toptransfers gab es Jahr für Jahr sehr besondere Kursentwicklungen. Die hohen Rekordgewinne wurden nie direkt in den Aktienkurs eingepreist, wohl aber wenn die sportlichen Erwartungen erfüllt wurden. Damit ist nicht etwa eine Meisterschaft o.ä. gemeint, sondern lediglich eine hohe Wahrscheinlichkeit für die erneute CL Qualifikation. Ist diese erreicht oder extrem wahrscheinlich, ist das Kurspotential weitgehend ausgereizt, eine Meisterschaft würde keine nennenswert höheren Kurse bringen, so war es zumindest in der Vergangenheit.

- Toptransfer Kagawa im Jahr 2012 brachte den bis dahin höchsten Gewinn in der Bundesligageschichte und mit dem Aktienkurs passierte zunächst nichts. Erst als ein paar Spiele gewonnen wurden ging die Ralley los, sie führte von 2,10 im Juni 2012 bis 3,40 im Mai 2013.

- Toptransfer Götze in 2013 brachte direkt einen Kursabschlag von 5%. Als der BVB aber in der anschließenden Saison ohne Götze ein paar Spiele gegen Abstiegskandidaten gewinnen konnte, stieg der Aktienkurs von 3,05 nach dem verlorenen CL Finale 2013 bis über 4 Euro im November.

- Toptransfers Gündogan/Hummels/Mkhitaryan hatten zunächst monatelang keine nennenswerten Auswirkungen auf den Aktienkurs. Erst nach der Bilanzpressekonferenz startete eine Ralley die ggü dem Startkurs der Sommerpause bis zur Jahreshauptversammlung im November +47% brachte.

- Toptransfer Pogba brachte Juventus eine sehr hohe Ablösesumme von 105 Mio. Der Aktienkurs notierte im Kalenderjahr 2016 im Tief bei 0,201 (Tradegate). Die Ralley startete aber erst deutlich später und wurde massgeblich durch die sportlichen Erfolge begünstigt. Es sollte aber klar sein, daß eine Verfünffachung des Aktienkurse von 0,201 bis 1,05 ohne Pogba kaum möglich gewesen wäre.

Daher gehe ich bei der BVB Aktie bis zur Jahreshauptversammlung von einem erheblichen Kurspotential aus, sollte man sportlich in der Nähe der CL Ränge bleiben. Zumindest ist eine nachhaltige Konsolidierung in diesem Zeitraum kaum zu erwarten.

Die BVB Aktie performt klar besser als der Markt, die bessere Performance gibt es aber Jahr für Jahr nur in sehr bestimmten Zeiträumen, nämlich zwischen Sommerpause und Jahreshauptversammlung. Danach ist die Aktie viel stärker von sportlichen Erfolgen oder sonstigen guten Nachrichten abhängig und das Potential ist klar geringer.



20.08.2017

Die Erwartungen für die Geschäftsjahre 2016/17 und 2017/18

Borussia Dortmund hatte im letzten Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2016/17 340 Mio € Umsatz sowie ein positives Jahresergebnis in Aussicht gestellt.

Oddo Seydler:  392 Mio 
Umsatz, 9,4 Mio Gewinn 
GSC Research:  376,4 Mio Umsatz, 9,5 Mio Gewinn 
Bankhaus Lampe: 340 Mio Umsatz, 12,2 Mio Gewinn

Edison Research: 324 Mio 
Umsatz, 0,8 Mio (diese Schätzung ist Ex-Transfer). 

Die Schätzung von Edison Research betrachte ich isoliert, da hier Ex-Transfer geschätzt wird. Aus den übrigen Schätzungen ergibt sich bei den Analysten eine Konsensschätzung von 369 Mio Umsatz bei 10,4 Mio Gewinn.

Die obigen Schätzungen wurden teilweise mehrmals während der Saison angepasst, daher ist die entscheidende Frage, ob die Schätzungen für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 ebenso nach oben angepasst werden müssen?

Ohne einen besonderen sportlichen Erfolg zu erwarten, kann man davon ausgehen, daß dies mit hundertprozentiger Sicherheit passieren muss! Im Sommer gab es einige wichtige Transfernachrichten, Bender wechselte für 12,5 Mio und Ginter für 17 Mio exkl. Bonus. Diese Transfers wurden aber erst nach dem 30.6.2017 getätigt, d.h. sie fallen in das laufende Geschäftsjahr 2017/18.


Folgendes schätzen die Analysten für das laufende Geschäftsjahr 2017/18

Oddo Seydler: 419 Mio Umsatz, 27,9 Mio Gewinn
GSC Research: 406,3 Mio Umsatz, 14,0 Mio Gewinn
Bankhaus Lampe: 345 Mio Umsatz, 14,9 Mio Gewinn

Diese Schätzungen müssen deutlich nach oben angepasst werden, also das gleiche Szenario wie jedes Jahr. Besonderer sportlicher Erfolg ist dafür nicht vonnöten. Es gibt für Ginter/Bender/Merino insgesamt 32,5 Mio Einnahmen exkl. Bonus! Weitere Transfereinnahmen könnten entweder noch in diesem Sommer oder aber in der Winterpause, bzw. nächsten Sommer erfolgen.

Ich schätze für 2016/17 400 Mio und für 2017/18 445 Mio Umsatz. Ich gehe davon aus, daß Seydler ebenso demnächst in etwa auf 445 Mio Umsatz erhöhen wird, dies ist eine Folge der faktischen Transfereinnahmen in diesem Sommer. Daraus ergibt sich eine eklatante Fehlschätzung bei Bankhaus Lampe, die klar zu niedrig schätzen:







Bei den Gewinnschätzungen ist die Sachlage nicht ganz so eindeutig, aber für den Fall, daß es zu keinen Toptransfers kommen würde, müsste Bankhaus Lampe zumindest die stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders komplett neu berechnen. Bei deren Schätzung vom 6.12.2016 mit Kursziel 7 Euro hatten sie für die Berechnung des Kursziels die von transfermarkt.de genannten Werte übernommen, da stand Dembele mit 21 Mio, bzw. Pulisic mit 12 Mio. Nur allein diese beiden Spieler würden eine Kurszielerhöhung rechtfertigen, letztlich ist es egal, ob Dembele wechselt oder nicht, er ist DEUTLICH wertvoller als 21 Mio. Den Kader in Gänze sehe ich bei mindestens 100 Mio wertvoller, das wäre noch sehr konservativ berechnet:

Die Marktwerte der BVB Spieler

Man kann zudem jetzt schon sehr gespannt sein auf die Schätzungen für 2018/19. Denn hier wird man nach dem großen Schub in 2017/18 bedingt durch den neuen TV Vertrag den nächsten Schub erwarten, denn für den Fall, daß man sich für die CL qualifiziert, würde man bedingt durch die CL Reform nach Aussagen von Watzke mit ca. 30 Mio Mehreinnahmen rechnen können:

Die Champions League Reform



26.07.2017

Die Marktwerte der BVB Spieler (aktualisiert am 30.7.2017)

Sehr viele Kommentare der Sportjournalisten, aber auch Finanzjournalisten und BVB Analysten beziehen sich bei den Marktwerten auf die Listen von transfermarkt.de
Die stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders liegen bei Borussia Dortmund durchgehend bei über 200 Mio, insofern ist interessant inwiefern man sie bei der Bewertung, bzw. beim Kursziel berücksichtigen muss.

Bankhaus Lampe hatte ein Kursziel der BVB Aktie von 7 Euro mit der substanziellen Unterbewertung begründet, Buchwert + Kaderwert (der nicht im Buchwert abgebildet ist) = Kursziel. Dabei beziehen sie sich ausdrücklich auf transfermarkt.de
Ursprünglich nannten sie einen Risikoabschlag in Höhe von 20% auf diese Kaderwerte, siehe mein Kommentar zur Bankhaus Lampe Analyse vom 22.8.2013: Analyst Christoph Schlienkamp von Bankhaus Lampe

Auch BVB Analyst GSC Research nennt ausdrücklich transfermarkt.de

Mittlerweile kann man aber davon ausgehen, daß die Marktwerte von transfermarkt.de nicht wirklich die Realität abbilden, dies ist insbesondere bei Borussia Dortmund der Fall. Transfermarkt nimmt als feststehende Größe die gezahlte Ablöse und passt diese Werte ggf. an, dabei gehen sie aber sehr vorsichtig vor. Daß die von Borussia Dortmund gezahlten Ablösen teilweise weit von den realen Marktwerten entfernt sind, soll heißen richtige Schnäppchenpreise gezahlt wurden, wird von transfermarkt.de nicht berücksichtigt. Transfermarkt.de nimmt als Ausgangswert die gezahlte Ablösesumme. 


Hier die Sommertransfers von Borussia Dortmund:




Mittlerweile gibt es eine andere vielbeachtete Liste, diese kommt auf sehr andere Marktwerte bei Borussia Dortmund, die offensichtlich dichter an der Realität sind als transfermarkt.de:

http://www.football-observatory.com/



Tabelle übernommen von BVBallfella mit freundlicher Genehmigung


Es ist sehr auffällig, daß insbesondere die jungen Stammspieler deutlich höher bewertet werden, während aber insgesamt die meisten Spieler sogar niedriger bewertet werden. Es geht also keineswegs um eine durchweg höhere Bewertung, sondern um eine sehr andere Systematik. Das Handelsblatt hat sich mit der Sachlage beschäftigt:

Handelsblatt, 13.6.2017 Verkaufswerte der besten Fußballer explodieren

Zitat daraus: "Wegen der umfassenderen Systematik liegen die errechneten Zahlen zum Teil deutlich über den Fan-Schätzungen, die regelmäßig im Internet von der Plattform Transfermarkt.de genannt werden."

Die Kurszielfindung bei Bankhaus Lampe unter Berücksichtigung der stillen Reserven scheint also einen deutlichen Spielraum nach oben zu haben, da die von transfermarkt.de genannten Werte ziemlich unrealistisch sind.